Meermond
Leben in Dänemark

Fuß fassen in Dänemark – 1

Ziemlich häufig erreichen mich Fragen von Lesern, die sich über Dänemark und ein Leben hier im Norden informieren möchten.

„Wie wohnt man am besten in den ersten Monaten?“

Nun, der Wohnungsmarkt ist etwas anders gestaltet als man es aus Deutschland kennt – zumindest hier oben im nördlichsten Teil Nordjütlands. Die Dänen kaufen bevorzugt ihr Daheim, weil man keine Zinsabschlagszahlung kennt. Man darf also eine Hypothek bei Verkauf ablösen, ohne die in Deutschland üblichen „Strafzinsen“ in schwindelerregender Gemeinheit zu entrichten. Man verkauft einfach seine Wertpapiere zum dann gültigen Tagessatz und rechnet dann ab.

Der dänische Wohnungs- und Häusermarkt ist  ziemlich bewegt, man darf sich nicht von den vielen „Til salg“-Schildern an allen Ecken und Enden verunsichern lassen.

Der Deutsche baut/kauft für sein Leben, der Däne kauft für einen Lebensabschnitt und dann verkauft er wieder.

Wer also länger in Dänemark wohnen möchte, der sollte über einen Kauf nachdenken. Auch als Deutscher darf man Wohneigentum erwerben, wenn man ihn selbst nutzt. Eine Ferienimmobilie am weißen Sandstrand, die man nur ein paar Wochen im Jahr nutzt und die verbleibenden Monate vermietet, darf man nicht kaufen. Dazu bedarf es eines Genehmigungsverfahrens, über das ich mangels Erfahrung keine Auskunft geben kann.

Wir haben also zuerst ein Ferienhaus angemietet.

Aber auch hier gilt zu beachten: Man darf nur ein paar Wochen am Stück anmieten. Uns hat die Dame am Telefon eine Dauer von fünf Wochen angegeben und uns darauf hingewiesen, dass sogenannte „Sommerhäuser“ länger vermietet werden dürften. Ich bin darüber heute noch nicht ganz im Klaren, wie ich diese Aussage zu verstehen habe, jedenfalls hat man uns damals dann ein eben solches „Sommer-Haus“ angeboten. Gemietet haben wir ganz regulär bei einem Ferienhausanbieter im Internet, der uns aufgrund der längeren Mietdauer einen ansprechenden Preis bieten konnte.

Obwohl man als Deutscher das Recht eines EU-Bürgers in Anspruch nimmt, darf man trotzdem nicht ohne Aufenthaltsgenehmigung in Dänemark leben.

Man muss sich im sogenannten International Citizen Service registrieren lassen und um eine Aufenthaltsgenehmigung einreichen. Dazu braucht es einen Arbeitsvertrag, einen Ehepartner mit Aufenthaltsgenehmigung oder eine große Summe Geld. Mit der Aufenthaltsgenehmigung erhält man eine sogenannte CPR-Nummer, mit der man quasi alles machen kann.
Sie ist Steuernummer, virtuelle Identität, Krankenversicherungsnummer und Bibliotheksausweis. Bringen Sie zwei Passfotos mit, denn die in der Nähe der Behörde angesiedelten Fotografen verdienen sich eine goldene Nase mit unhübschen Fotos aus dem Tintenstrahldrucker. Familiennachzug muss übrigens vier Wochen auf seine Genehmigung und dann weitere zwei Wochen auf die wirklich wichtige CPR warten. Dieser Schwebezustand ist ziemlich unangenehm, denn man darf weder eine Handykarte beantragen, noch erhält man eine Partnerkarte für das Gehaltskonto des Ehemanns. Man hat den Status eines Urlaubers inne.

Einen Hausvertrag dürfen Sie auch nicht ohne diese Nummer unterschreiben, weil ja kein Konto und quasi nonexistent in Dänemark.
Wir sind am 15. September 2014 in Nordjütland angekommen und bereits am 6. November in unser Eigenheim eingezogen. Damit haben wir sämtliche Nachbarn erstaunen können, denn das wäre eine unheimlich kurze Zeit, wie sie meinten. Uns fehlte damals schlichtweg die Zeit, da unser Ferienhaus anders vermietet war und wir raus mussten. Uns graute vor einem zusätzlichen Umzug.

Heute vertrete ich die Meinung, dass wir lieber nochmal ein anderes Ferienhaus anmieten hätten sollen, um besser verhandeln zu können. Wir wurden von dem schneidigen Makler ordentlich über den Tisch gezogen.

Machen Sie also nicht denselben Fehler wie wir und mieten Sie Ihre Erstunterkunft für mehrere Monate an! Auf die paar Euros mehr kommt es bei so einem Projekt auch nicht an und man hat wesentlich mehr Ruhe, um das Projekt „in Dänemark leben“ anzugehen.

Dänische Makler schwimmen im selben Haifischbecken wie deutsche!
Deutsche Behörden brauchen lange, dänische Behörden noch länger.

Noch länger brauchen dänische Banken und überall muss man warten und warten und warten.

Slap af! Bare rolig!“, sagt man hier.

Das ist vermutlich das Schwerste, was ein Deutscher in Dänemark zu lernen hat.
Mehr dazu im Teil 2.

Vi snakkes ved,

10 Kommentare

  • Antworten
    puenktchenundwortgestoeber
    15. Juni 2016 at 12:20

    Hallo Meermond, nun haben wir diesen Post zum 2 mal gelesen und da kommt die Frage auf, wie ist das mit den kindern, natürlich haben Deine Kinder Aufenthaltserlaubnis im Augenblick, ihr seid ja auch da. Aber wie ist das Dein Sohn wird in naher Zukunft selbständig werden und wohl in Dänemark bleiben wollen. Bekommt er die Aufenthaltserlaubnis ohne Arbeit nachweisen zu müssen? schließlich ist er teilweise in Dänemark aufgewachsen. Oder die Zwillinge, können sie ohne diese Bürokratie der Aufenthaltserlaubnis in Dänemark allein leben , wenn sie volljährig sind?
    LG Wortgestoeber

    • Antworten
      Meermond
      16. Juni 2016 at 13:19

      Liebe Frau Wortgestöber,
      Dänemarks Bürokratie ist genau so zauberhaft wie die deutsche, bloß Regen sich die Dänen nicht so darüber auf wie wir 😉
      Der Preußenbayer plant seine Zukunft hier und erwägt ebenso wie ich die Annahme einer zweiten Staatsbürgerschaft. Die Zwillinge wachsen ja quasi als Dänen auf und ich werde sie dann ebenfalls einbürgern lassen. Ich muss dazu Prüfungen und Sprachzertifikate vorweisen, die exakten bürokratischen Voraussetzungen für die Kinder weiß ich zum derzeitigen Stand noch nicht so genau, dass ich öffentlich darüber schreiben kann.
      Ohne Staatsbürgerschaft gelten für sie dann im Erwachsenenalter die gleichen Bedingungen wie für mich: Sie brauchen eine Aufenthaltsgenehmigung.
      Ganz liebe Grüße

  • Antworten
    Stella, oh, Stella
    13. Juni 2016 at 23:15

    Ich möchte gerne anmerken, dass die angeführten Bedingungen für alle EU-Länder gelten. Wenn ich mit meinem dänischen Mann nach Deutschland ziehen würde, müsste er die gleichen Bedingungen erfüllen, Aufenthaltsgenehmigung und Selbstversorgung. Die EU hat uns nicht die grosse Bewegungsfreiheit gebracht, die wir uns erhofft haben. Man hat zwar freie Wahl der Wohnung etc., aber man muss bestimmte Bedingungen erfüllen. Kein Land will Leute, die als Sozialhilfeempfänger einreisen.

    • Antworten
      Meermond
      13. Juni 2016 at 23:20

      Vielen Dank für deine Unterstützung!
      GLG

  • Antworten
    Anny Page
    12. Juni 2016 at 22:55

    Hab ich dich inspiriert? hihihihihi

    • Antworten
      Meermond
      12. Juni 2016 at 22:59

      Lustiger Zufall, nicht wahr?
      Nein, ich bin heute auf eine gezielte Nachfrage an mich eingegangen. 😉

      • Antworten
        Anny Page
        12. Juni 2016 at 23:03

        Echt Lustig und so passend 🙂 und du hast dir gaaaanz viel Mühe gegeben für diese Nachfrage! Top!

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