Meermond
Traditionen

Fastelavn – wo Kulturen aufeinander … schlagen!

Was macht eine Familie im Norden Dänemarks an einem Sonntag im Januar? Es ist kalt, ungemütlich und keine Sonne zu sehen.

Wir gehen zum Schulfest der Klasse 0B. Es ist wieder so weit. Es ist Fastelavn.

Fastelavn

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich gestehe, ich freue mich, wenn meine Kinder zu alt für diese Veranstaltung sind. Ich finde sie merkwürdig und auch nach vier Jahren intensivster Integrationsbereitschaft ist das Fest bei mir immer noch nicht als Spaß angekommen.

Fastelavn ist Fasching. Oder so ähnlich.

Das dänische Fastelavn wird zur Faschingszeit gefeiert und man verkleidet sich auch dazu. Es gibt wie in meiner Kultur ein Gebäck, das auch extra Faschingsgebäck heißt: fastelavnsboller. Dabei handelt es sich aber nicht um fluffige Krapfen, sondern um ein butteriges Hefegebäck, das mit Vanillecreme oder mit Marzipanpaste oder auch gar nicht gefüllt ist. Dazu gibt es Kaffee.

Zu jedem fastelavnsfest gehören fastelavnsboller.

Das Fest selbst ist schnell erklärt. Alle versammeln sich in einer Halle und stellen sich in einer Schlange auf. Dann darf jeder einen Schlag mit einem Knüppel gegen ein Holzfass machen, die es derzeit überall wieder zu kaufen gibt:

An Fasching werden Fässer ver-/gekauft.

Die Katze aus der Tonne schlagen – at slå katten af tønden

Die ganz Kleinen schlagen gegen ein Papierfass, die etwas Größeren gegen ein Holzfass, das es sowohl in Kinder- als auch in Erwachsenengröße gibt.

Jeder schlägt einmal und reicht anschließend den Knüppel weiter. Dazu ist es meist sehr still in der Halle:

Dunk – Nächster. Dunk – Nächste – usw.

at slå katten af tønden – die Katze aus der Tonne schlagen

Ich fände es nicht so trostlos, würde wenigstens ein bisschen Musik dazu spielen! Alle schlagen so lange auf das Fass ein, bis es zerbricht. Dann stürzen sich alle Kinder auf die (oft wenigen) Bonbons, die heraus fallen und der Spaß ist vorbei. Wenn es denn wenigstens eine prall gefüllte Piñjata wäre … 🍬 🍬 🍬

Katzenkönig/in

Auf jeden Fall ist der/diejenige, nach dessen Schlag das Fass zerbricht, kattekong (Katzenkönig) bzw. kattedronning (Katzenkönigin).

Was hat das mit einer Katze zu tun?

In früheren Zeiten saß in der Tonne eine lebende Katze. Man glaubte mit dieser Tradition das Böse zu verjagen. Und weil der Katzenkönig ein Jahr lang von seinen Abgaben befreit war, kann man sich vorstellen, wie beliebt dieser Brauch seinerseits gewesen sein muss.

Liebe Dänen,

ich mag euch. Und weil ich das wirklich tu‘, traue ich mir heute einen Vorschlag machen: Verkleidet euch und trefft euch am Fasching wie eh und je. Aber dreht doch mal Musik auf und tanzt ein bisschen bekloppt dazu! Zur Musik kann man doch auch auf die Tonne einschlagen. Im Takt oder gerne mal mit einem Vorschlaghammer:



Weil das Teufelchen vor mir den Holzknüppel kaputt geschlagen hatte, durfte ich Thors Hammer schwingen. Der Schotte hinter mir war dann endlich der Kattekong.

Und danach gab es Kaffee.

Helau und Alaaf,

Nachtrag: Vermutlich finde nicht nur ich diese Variante eines Faschingsfests trostlos, denn in Aalborg gibt es einen so ganz anderen Karneval. Mein großer Sohn war letztes Jahr dabei. Hier könnt ihr mehr dazu lesen:




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5 Kommentare

  • Antworten
    Best 5 - Dänische Fun Facts - Meermond - Dänemark
    4. April 2019 at 17:49

    […] Nordjütland schlägt man zu Fastelavn wie in ganz Dänemark üblich auf Holzfässer, um ➡ „die Katze aus der Tonne“ zu schlagen. Das ganze ist eine ziemlich gesittet ablaufende Prozedur, die ich heuer erst […]

  • Antworten
    Stella, oh, Stella
    6. Februar 2019 at 20:46

    Das muss irgendwas zu tun haben mit den mexikanischen Pinatas. Ich habe das nie miterlebt, also Fastelavn. Ich dachte immer, da wäre Fest und Farben, aber nur bomm, nächste bomm, nächste bomm … klingt etwas trostlos …

    Ich habe mal nachgelesen, die Pinatas hatten was mit dem Beginn der Fastenzeit zu tun, also eigentlich nichts mit dem heidnischen Fasching.

    • Antworten
      Meermond
      7. Februar 2019 at 20:23

      Stell dir vor, heute habe ich im Bilka Pinatas gesehen. Die werden hier anscheinend auch zerschlagen. Und im Mai wird Karneval getanzt und dem Ochsen geopfert. Da soll sich mal einer auskennen hier… hehe.

  • Antworten
    Ulli Potmesil
    30. Januar 2019 at 15:28

    Also dieser Brauch klingt echt schräg 🙂 Warum ist da außer dir noch niemand darauf gekommen, das Ganze mit Musik zu untermalen? Aber gut, ich hab wieder was gelernt, Danke für den Beitrag 😉 liebe Grüße Ulli

    • Antworten
      Meermond
      30. Januar 2019 at 15:38

      Vielleicht ist das Ganze ja eine ernste Sache? Wozu dann die Kostüme 🤔 Du siehst, ich habe keine Ahnung! 😂

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