Meermond
Nordjütland

Zur blauen Stunde in Asaa

Viele Menschen nutz(t)en die Einschränkungen während der Coronazeit dazu, ihr näheres Umfeld zu erkunden. Und dabei auf kleine Schätze zu stoßen! In Dänemark gibt es seit dem Frühjahr 2020 eine App, in der Einheimische wahre Geheimtipps und eher unbekannte Ausflugsziele austauschen. Das Ganze muss kritisch betrachtet werden, sollten einige jener Geheimtipps doch besser solche bleiben. Weltweit dringen immer mehr Touristen und Ausflügler an zunehmend entlegenere Stellen vor, was definitiv Schaden anrichtet. Die Masse an sich hat in einigen Regionen inzwischen die Grenzen des Zumutbaren erreicht. Stellenweise sogar überschritten. Man darf sich bei diesem Gedankengang aber nicht ausschließlich auf die offensichtlichen Problemfelder wie Vermüllung oder Verbauung konzentrieren. Selbst Wanderer, die nichts als ihre eigenen Spuren hinterlassen, tragen zur Zerstörung der Natur bei, werden es zu viele: Wanderwege werden ausgetreten, verbreitern oder verändern sich.

Slowtravel und Nachhaltigkeit müssen die Konzepte des Tourismus sein, will man die Schönheit vieler Naturgebiete und Destinationen für möglichst viele Erholungssuchende erhalten. Die Tourismusbranche ist derzeit durch Lockdowns und Einschränkungen hart getroffen. Doch nach Corona wird sie sich schnell wieder erholen. Hoffentlich mit vielen neuen Ansätzen und Konzepten. Denn gerade jetzt während der Coronakrise können wir alle lernen, wie schön langsames und bewusstes Reisen sein kann!

Im Reisen innehalten

Ein besonderer Ausflug

Durch einen ➡ erneuten Lockdown waren die Bewohner sieben nordjütischer Kommunen dazu aufgefordert, die jeweiligen Grenzen nicht zu übertreten. Auch wenn dies nicht als gesetzliche Verpflichtung verkündet war, hielten sich viele an die Anweisungen. So auch wir. Wir leben in der Kommune Brønderslev, zu der riesige Felder, ein paar Wälder und ein nur 9,5 Kilometer langer Küstenabschnitt an der Ostsee gehören.

Wir leben in der hässlichsten Kommune Nordjütlands!

Dieser Satz fiel nicht von mir, sondern von einer Frau, die hier geboren ist. Die kleine Stadt Brønderslev liegt als Versorgungszentrum inmitten einer Region, in der der Raum von Massenviehzucht und intensiver Landwirtschaft geprägt ist. Es gibt hier keine atemberaubende Nordseeküste oder einzigartige Naturwunder. Wer hier zu Hause ist, lebt im gelebten Dänemark mit Windrädern und Sumpfwiesen. Nicht einmal die kompletten 9,5 Küstenkilometer kann man entlanggehen, da Schilf und Matsch stellenweise sogar bis ans Wasser reichen.

Und doch gelang es uns, einen ganz besonderen Ausflug zu erleben. Wir besuchten Asaa zur blauen Stunde.

Der Hafen von Asaa

Unbekanntes Bekanntes

Asaa ist ein winziges Dorf, zu dem ein kleiner Fischerhafen gehört. Der Ort ist als Urlaubs- und Badeparadies für Familien mit Kindern bekannt, fällt das Ufer hier nur sehr flach und ohne Sandbänke ab. Auf einem Holzsteg können sogar Rollstuhlfahrer die Dünen durchqueren und bis ans Wasser gelangen. Eine freundlich schwappende Ostsee beschenkt Sammler mit zahlreichen Muscheln und gewundenen Schneckenhäusern und erlaubt das Fahren auf einem SUP. Starke Wellen gibt es hier in der Regel nicht. Niedliche Badehäuschen, eine Meerjungfrau und rote Hafengebäude runden die Badeidylle ab und verleihen Asaa einen besonders hyggeligen Charme.

Badehäuschen in Asaa

Eigentlich kennen wir das alles schon zur Genüge. Wir waren schon so oft dort. Und doch war es etwas Besonderes, Asaa während der blauen Stunde neu kennenzulernen:

Meerjungfrau im Hafen
Ruhe im Hafen
Hafengebäude
Bernsteinsucher

Die Perspektive zu wechseln, erlaubt in vielen Bereichen des Lebens wertvolle Erkenntnisse und Einblicke. Das trifft auch beim Reisen zu. Selbst im Bekannten kann man Unbekanntes finden, das Große im Kleinen entdecken.

Gute Reise!

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15 Kommentare

  • Antworten
    Harald Krabbe
    24. November 2020 at 18:10

    Das solltet Ihr wirklich tun.
    Ich habe das durch Zufall entdeckt, natürlich war es Ende September geschlossen. Im nächsten Jahr schickte ich dem Hafenmeister eine mail mit einem Termin zu dem ich dann da war und das Museum war offen.
    Ole der damalige Eigentümer hat uns geführt mit dem Hafenmeister zusammen, einfach Klasse.
    Schlicht, authentisch wie man das von den Dänen kennt.
    Man muss aber, so wie ich, schon ein bisschen döller verrückt nach maritimen Dingen sein……

  • Antworten
    Christine
    24. November 2020 at 14:27

    Dies sollte eigentlich ein Kommentar auf Deine Antwort werden…

  • Antworten
    Christine
    24. November 2020 at 14:26

    Tatsächlich? So etwas habe ich in Dänemark noch nie gesehen…aber vielleicht habe ich es auch übersehen, weil ich ständig eine rosarote Brille aufhatte..:-))

  • Antworten
    Harald Krabbe
    17. November 2020 at 18:15

    Leider hat um diese Zeit das kleine Hafenmuseum nicht geöffnet.
    Es ist wirklich einen Besuch wert. Völlig authentisch aus der Region.
    Ole hat alles gesammelt und dort ausgesstellt und und bei einem Besuch im September 2012 wurde uns das bei einer persönlichen Führung gezeigt und erklärt.
    Der Ort Aasa ging 2013 durch viele überregionale Zeitungen in Deutschland: <>
    Aber gefunden hat man es wohl nicht…….
    Grüsse von der Insel Poel
    Harald

    • Antworten
      Meermond
      24. November 2020 at 11:24

      Lieber Harald, ich entschuldige mich, dass ich erst heute antworte. Technische Verwirrungen und persönliches Wirrwarr sind daran schuld…
      Das Hafenmuseum habe ich tatsächlich noch nicht besucht. Vielleicht sollte ich das wirklich nachholen!
      Herzliche Grüße auf die Insel von einer Insel

  • Antworten
    Heike B.
    17. November 2020 at 8:13

    Wunderschöne Bilder – echt toll! Weißt du zufällig, seit wann die kleine Meerjungfrau im Hafen steht? Denn als ich als Kind dort war (so. ca. 1979/1980) meine ich, war sie noch nicht da – zumindest habe ich sie nicht gesehen. Aber ich fand Asaa schon damals echt schnuckelig mit dem kleinen Hafen…

    • Antworten
      Meermond
      24. November 2020 at 10:46

      Liebe Heike, ich bitte die verspätete Antwort zu entschuldigen. Irgendwie ist der Wurm drin mit der Kommentarfunktion…
      Ich weiß leider nicht, seit wann diese Figur dort steht. Und leider konnte ich auch nichts Genaueres herausfinden. Liebe Grüße

  • Antworten
    Christine
    17. November 2020 at 5:45

    Was für schöne Farben auf den Fotos und von welcher schlichten Schönheit dieser Ort ist! Man sieht hier im Kleinen, was Dänemark ausmacht: Stille und Ruhe verbunden mit einer harmonischen Farbästethik, die eine Klarheit und Reinheit verströmt. Es schient, als würde es hier keinen Schmutz und kein Leid geben.Was hab ich eine Sehnsucht nach „da Oben“!

    • Antworten
      Meermond
      24. November 2020 at 11:32

      Ich wollte bewusst die Schönheit zeigen, die sich an vielen Orten der Erde finden lässt. Selbst wenn ich beim Fotografieren an viel zu vielen Hundehaufen am Strand von Asaa vorbei bzw wirklich hineingelatscht bin. Das war eine echte Schweinerei dort. Aber wer möchte solche Bilder sehen? Also ich mag die schon ich echt nicht … 😉

  • Antworten
    Gabi oettigmann
    16. November 2020 at 15:11

    Sehr schöne Bilder, macht den grauen Novembertag etwas blauer. Danke dafür.

  • Antworten
    Waltraud
    16. November 2020 at 11:42

    Wow was für tolle Fotoaufnahmen. Auch für den Betrachter hat sich Euer Ausflug gelohnt. Da wird einem erst bewusst das jede Tageszeit schön sein kann. Man muß es nur richtig sehen. Danke💙

    • Antworten
      Meermond
      16. November 2020 at 17:30

      Danke dir. Ja, man muss es wirklich nur mal sehen. Und schon wird alles wieder ganz anders 😍

  • Antworten
    Stella, oh, Stella
    16. November 2020 at 10:33

    Also wir finden Asaa toll … 😉 🙂

    • Antworten
      Meermond
      16. November 2020 at 10:42

      Wir auch. Und dennoch waren wir überrascht, wie anders es auf einmal wirkte 😍