Meermond
Leben in Dänemark

Die Suche nach Einsamkeit – Tag 10

Nach einer Woche zuhause reichte es nicht nur unseren Kindern mit der Stubenhockerei, auch wir hatten das dringende Bedürfnis nach frischer Luft und viel Natur. Da wir natürlich vorsichtig sein möchten und Abstand zu unseren Mitmenschen einhalten wollen, um ein unnötiges Risiko zu vermeiden, enschlossen wir uns zu einem Besuch des Rold Skov.

Weg in den Rold Skov

Zunächst fuhren wir zum See Økssø, um uns den schönen Wanderweg am Ufer anzusehen, allerdings war es dort ziemlich gut besucht, so dass wir schnell wieder ins Auto stiegen, um ein ruhigeres Plätzchen zu suchen. Für dieses Foto mussten wir uns fast schon anstellen.

Steg am Økssø
Steg am Økssø

Da wir ausserdem den Plan hatten, den mitgebrachten Teig in einer Pfanne zu brutzeln, suchten wir uns einen Parkplatz mit einer nahe gelegenen Feuerstelle, wie es viele in Dänemark gibt. Leider entsprach „nahe“ in diesem Fall nicht der Realität und der Weg zog sich etwa einen Kilometer vom Parkplatz durch den Wald. Natürlich ist das normalerweise keine große Strecke, wenn man aber zunächst zum Feuerplatz gehen muss, um zu sehen, ob dieser überhaupt frei ist, dann wieder zurück zum Auto trabt, um schließlich beladen mit gusseiserner Pfanne, Teig, Thermoskanne mit dem unvermeidlichen Kaffe und vielen weiteren Dingen zurück zur Feuerstelle zu marschieren, ja, dann ist es wirklich eine ordentliche Strecke.

Auf dem Weg zur Feuerstelle
Gepflegter Waldweg

Rold Skov umfasst ein Gebiet von 8000 Hektar und ist mit seiner Vielzahl verschiedener Waldtypen, Hügeln und Tälern eine einzigartige Naturlandschaft im Norden Dänemarks. Wir werden darüber noch berichten!

Der Weg zur Feuerstelle ist ein gut gepflegter Forstweg, der schon auf dieser kurzen Strecke an Fichtenwäldern, Buchenhainen und Beständen mit alten knorrigen Riesen vorbei führt.

Alter Buchenbestand
Baumriesen
Baumriesen in Rold Skov
Moosbewachsenes Altholz
Fichtenwald

Am gut ausgestatteten Feuerplatz machten sich Marion, kleiner Belgier und kleiner Wikinger daran, ein ordentliches Feuer zu entfachen, was nach einigen Mühen, das Holz war ziemlich feucht, dann auch gelang. Leider geschah dann das fast unvermeidliche: Der kleine Wikinger konnte seinen Spieltrieb nicht bremsen, fummelte an der schweren Eisenkonstruktion herum und klemmte sich das Fingerchen ordentlich ein.

Öffentlicher Grill in Rold Skov
Verletztes Fingerchen des kleinen Wikingers

Der Finger schwoll weiter an und nahm eine ziemlich unnatürlich-bedrohliche Farbe an. Prompt brachen wir die Zelte ab und fuhren zum ärztlichen Bereitschaftsdienst nach Aalborg. Der Arzt dort zog fachgerecht am Fingerchen, begutachtete die Beweglichkeit und meinte dann: Pflaster drauf und gut is‘! (Natürlich auf Dänisch.)

Nachdem unser Ausflug ein so apruptes Ende gefunden hat und die Versorgung des kleinen Wikingers recht unkompliziert, weil nicht notwendig, war, gab es zum Abschluss noch ein wenig Tröste-Fastfood vom Restaurant zur goldenen Möwe. Dieses hatte, wie seit einigen Tagen angeordnet, nur das Drive-In geöffnet. Aber immerhin konnte ich so auf dem Parkplatz noch eine ordentliche Tasse Kaffee aus der mitgebrachten Thermoskanne genießen.

Wir rechnen damit, dass die Beschränkungen des öffentlichen Lebens in Dänemark noch länger anhalten werden. Die Schulen sind jetzt noch eine Woche geschlossen, allerdings ist kaum anzunehmen, dass die Woche vor Ostern schon für regulären Unterricht genutzt werden kann. Wir richten uns also auf eine längere Phase mit Heimunterricht und home-office ein und versuchen das Beste daraus zu machen. Der Schutz der Schwachen hat für uns Priorität.

Herzliche Grüße aus Nordjütland,

Alexander

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10 Kommentare

  • Antworten
    freiedenkerin
    22. März 2020 at 13:19

    Wie gut, dass sich der kleine Wikinger nicht allzu bös verletzt hat.
    Habt einen guten Sonntag, und bleibt gesund.

    • Antworten
      Alexander
      22. März 2020 at 20:43

      Ja, heute war er wieder ganz fit. Danke, bleibt auch gesund und hab noch einen schönen Abend!

  • Antworten
    Waltraud
    22. März 2020 at 10:20

    Ein liebes Moin an Euch im hohen Norden.
    Der kleine Wikinger hat wirklich Pech gehabt das der schöne Tag für ihn so negativ geendet hat, aber die Grillkonstruktion sieht ja fast schon aus wie eine Bärenfalle. Umarmung für den kleinen Helden.
    Nun ist es für uns amtlich: wir müssen unser „Lille Nordlys“ verlassen – erstmal bis zum 18. April 😭 da unser Erstwohnsitz in Bremerhaven ist, obwohl wir der Meinung sind, das wir hier 25 KM von unserer Wolken7 (unsere Wohnung im 7. Stock) besser aufgehoben sind und den minimalsten Kontakt mit Menschen haben. Und FRISCHE LUFT. Naja wir werden so wenig wie möglich den Fahrstuhl benutzen, die Treppe nehmen und somit unsere Lungen stärken, think positiv ☺. Ich habe mir ein Schnittmuster für Mundschutz besorgt und werde mich da mal dran probieren, wenn es klappt kann ich vielleicht meine Exkolleginnen in der Zahnarztpraxis unterstützen und mich nützlich machen, auch wenn ich danach keine Geschirrhandtücher mehr habe wenn es klappt😁egal
    Habe übrigens mal Sebel gegoogelt: Alexander Du machst genauso tolle Fotos.
    Euch noch einen schönen Sonntag und wenn Ihr an den Strand geht schickt uns ein wenig Meer Luft nach hause.
    Mit lieben Grüßen aus Fishtown
    Waltraud

    • Antworten
      Alexander
      22. März 2020 at 20:54

      Guten Abend liebe Waltraud,
      Danke für dein Mitgefühl mit dem kleinen Wikinger. Ihm geht es zum Glück wieder gut und er hat keine bleibenden Schäden davon getragen.
      Es ist sehr schade, dass ihr eure Wohnung müsst. Das ist wirklich nicht sehr logisch, aber anscheinend sind solche Entscheidungen einfach nicht besser generell zu treffen. Aber es ist schön, dass du deine Kollegin unterstützen möchtest. Momentan hilft wirklich nur eins: Zusammen halten, Abstand halten und helfen wenn es geht.
      Über dein Kompliment über meine Fotos habe ich mich unglaublich gefreut. Mir selbst würde es nicht in den Sinn kommen, mich mit einem Profi zu vergleichen. Danke, danke und ich werde mich weiter bemühen, die schönsten Landschaften einzufangen und zu zeigen.
      Liebe Grüße nach Bremerhafen, habt es gut und bleibt gesund!

  • Antworten
    Stella, oh, Stella
    22. März 2020 at 10:10

    Übrigens hier einmal die Grippe-Zahlen aus Deutschland (www.Merkur.de)
    In der 43. Kalenderwoche 2019 waren es noch 61 labordiagnostisch bestätigte Influenzafälle in Deutschland, die an das RKI übermittelt wurden. Nach aktuellem Stand (12.03.2020) sind es bereits 119.280 bestätigte Fälle. 19.819 Patienten mussten deshalb im Krankenhaus behandelt werden. Insgesamt kam es während der Grippesaison 2019/2020 bisher zu 202 Todesfällen durch Influenzainfektionen.
    Das ist eine sehr niedrige Todesfall-Ziffer, die sicherlich auf die erhöhte Vigilanz und Hygiene zurückzuführen ist. In Dänemark sind bereits 300 Leute an Influenza gestorben.

    • Antworten
      Waltraud
      22. März 2020 at 10:29

      Hallo Stella, es stimmt das man im Moment gar nicht mehr von der Grippe redet. Obwohl daran auch so viele sterben. Mein Mann und ich haben uns bisher immer gesträubt die Impfung vornehmen zu lassen, sind jetzt aber einsichtig geworden. WIR haben aber eine Pneumokokken-Impfung, die es allerdings in Deutschland erst ab dem 60. Lebensjahr gibt. Zur Zeit ist der Impfstoff nicht zu bekommen.

  • Antworten
    Stella, oh, Stella
    22. März 2020 at 10:04

    Mit Einsamkeit war es gestern wohl nichts im Roldskov. Wir waren drüben am Gravlev Ådal. Alle Parkplätze waren proppevoll. Aber dort verläuft es sich ja, man rückt sich nicht zu sehr auf die Pelle.

    • Antworten
      Alexander
      22. März 2020 at 10:37

      Wenn alle so vorsichtig wären, wie ihr, wäre es auch kein Problem. Das Land ist groß genug hier. Gestern hab ich zumindest viele kleine Gruppen gesehen, vermutlich hauptsächlich Familien. Obwohl sicher auch manche „Familientreffen“ dabei waren. Hoffen wir, dass der Verlauf in Dänemark gedämpft werden kann.

  • Antworten
    Fred Lang
    22. März 2020 at 8:53

    Das war ja alles in allem ein nicht so sehr gelungener Ausflug. Aber so geht es nun mal zu im Leben: Regen und Sonnenschein im Wechsel.
    Hoffen wir im Übrigen, dass die aktuelle Heimsuchung durch das C.-Virus nicht zu viele Opfer fordert.
    Herzliche Grüße aus dem ALTEN LAND an der Elbe bei Hamburg,
    Fred

    • Antworten
      Alexander
      22. März 2020 at 10:32

      Es war schon sehr schade, dass wir heim fahren mussten. Zumindest geht es dem Finger wieder gut. Und beim Rest, da schaun mer amal. Und hoffen das Beste! Grüße zurück ins Alte Land!