Meermond
Familienchaos Kindermund

Mama, ich muss biesln! Driiiiingend!

Die Zwillinge sind seit Oktober sauber und sie ließen sich auch nicht mehr dazu überreden, für die lange Fahrt in eine Easy-Uppp-Windel zu steigen.

Immer, wenn ein WC-Schild auftauchte, bedrängten wir die Kleinen mit der Frage, ob sie denn auf’s Klo müssten. Auf dem Weg „runter“ wählten wir die A7 über Kassel. Ist eine hübsche Strecke, auf der viele Raststätten liegen.

Aufgrund des Sturms am Rosenmontag beschloss ich, die eher unsympathische Route über Madgeburg zu wählen. Die Autobahn dort ist traumhaft. Keine nervigen Kurven, weniger Verkehr, 30km kürzer, weniger Baustellen, weniger Stau.

Warum dann unsympathisch?

Weil dieses Stück Land dort so dermaßen nackt ist, dass es öde ist, dort zu fahren. Da ist einfach nichts. Und weniger Raststätten gibt es auch. Wer da nicht klug tankt, der kommt da schon mal ins Schwitzen…

Magdeburger Autobahn. Rechtzeitig bei Leipzig vollgetankt. Wir befinden uns im Nichts.

Kleiner Belgier: Mama, ich muss biesln!

Mama dreht sich um und guckt dämlich, Opa beschleunigt.

Kleiner Belgier: Driiiiiingend!

Mama guckt raus. Nichts. Keine Abfahrt. Keine Haltebucht. Kein Klo. Opa beschleunigt noch mehr.

Mama: Sobald wir eine Abfahrt sehen, bleiben wir sofort stehen. Schaffst du das?

Kleiner Belgier: Ja, aber ich muss bieseln!

Mama guckt Opa an. Opa drückt das Bodenblech durch. Eine Sturmböe schubst das Auto in Überschallgeschwindigkeit.

Ausfahrt. Auf zwei Rädern preschen wir in die Kurve. Vollbremsung. Kind rausreißen, Hose runterreißen. Warten. Warten und gegen den Sturmwind stemmen.

Mama: Jetzt mach, mein Kleiner. Ist ziemlich windig.

Kleiner Belgier: Es ist so kalt.

Mama: Macht doch nichts. Hauptsache, du kannst jetzt bieseln. Und überhaupt tut mir mein Kreuz weh. Mach‘ hinne!

Kleiner Belgier: Mich friert’s, da kann ich nicht bieseln.

Opa raucht. Kleiner Belgier kann nicht bieseln, kleiner Wikinger will nicht bieseln. Kind, Mama und Opa steigen wieder ein. Zurück auf die Autobahn.

Preußenbayer: Wetten, dass in ein paar Kilometern ein Klo gekommen wäre?

Sprach’s und da kam ein Schild: WC 1000m.

Kein Scherz! Reine Wahrheit.

Opa beschleunigt gar nicht mehr, setzt gleich den Blinker.

Mama schnappt sich den kleinen Bieselbelgier und geht ins Klohaus. Schwebehaltung über dem Stinkeklo.

Kleiner Belgier: Hier stinkt’s.

Mama (schwitzend vor Fehlhaltung und Anstrengung): Ist egal, biesl jetzt bitte.

Kleiner Belgier: Ich muss nicht mehr.

Mama zieht Kind wieder an, tauscht den einen Winzling gegen den anderen aus.

Mama: Im Klo stinkt’s so erbärmlich. Schaffst du es, im Freien zu bieseln?

Kleiner Wikinger: Ja, das schaff ich.

Rotfrau geht wieder in kinderbieselfreundliche Halteposition (Rücken schreit schon) und wartet.

Kleiner Wikinger: Hier ham aber schon viele hingebieselt!

Mama: Egal, du bieselst jetzt auch dahin.

Kleiner Wikinger: Ich muss nicht.

Mama gibt auf.

Die kommende Stunde bis zum erlösenden M war ein Graus. Verständlich, oder?

 

 

 

 

 

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14 Kommentare

  • Antworten
    puenktchenundwortgestoeber
    11. Februar 2016 at 15:21

    Herrlich, ich musste so lachen, die kleinen haben aber auch recht, diese Toiletten sind nun wirklich was man sich eigentlich wünschen würde.
    LG Wortgestoeber

    • Antworten
      Meermond
      11. Februar 2016 at 18:32

      Ja, mir graust ja auch immer. Wir reisen ab jetzt auch von goldenem M zu M. LG zurück

  • Antworten
    Danmarkfan
    11. Februar 2016 at 11:50

    Herrliche Beschreibung! Ich hab mich sehr amüsiert.
    Könntest du bitte Motessa für mich fragen, wo man solch einen Reiseklapptopf bekommt?
    Dankeschön!

  • Antworten
    Erika
    10. Februar 2016 at 19:15

    Da brauchts gute Nerven und gesunde Rückenmuskulatur.

  • Antworten
    die kurskollegin
    10. Februar 2016 at 7:24

    Hihihi, wie gut ich das kenne😂! Drum planen wir unsere DK-Fahrten immer nach dem goldenen M… Aber dieses „hier kann ich nicht bieseln, es ist zu kalt, zu laut, zu ungemütlich!“ Aaaaarrrggrmpf!!
    Hoffe, Ihr seid wohlbehalten und trocken wieder daheim angekommen!

    • Antworten
      Meermond
      11. Februar 2016 at 18:35

      Wir machen das ab jetzt genau wie ihr. Übrigens ist das Marche nach dem Brückenrasthof mit einem wunderschönen Kinderbereich ausgestattet! Wirklich toll!

  • Antworten
    motessa
    10. Februar 2016 at 0:40

    durch die Erfahrung von zwei Kindern bereits schlau geworden habe ich mir kurz nach der Geburt der Zwerge einen klappbaren Topf gekauft. Dies habe ich nämlich Jahre zuvor mal gesehen und die Frau heiss beneidet, die ihr Kind einfach da drauf setzen konnte während ich mich mit dem auf’s übelste riechenden Klo, und einer sehr eigenwilligen 4Jährigen, abmühen musste. Der klappbare Topf lässt sich entweder auseinanderfalten als WC-Verkleinerung oder man stellt die Flügel auf, murkst einen Plastikbeutel rein (Bitte mit etwas Haushaltspapier füttern) und fertig ist. Hat uns schon viele ruhige Momente beschieden auf Velotouren und Spielplätze ohne Klos.

    • Antworten
      Meermond
      11. Februar 2016 at 18:36

      So gut wie gekauft. Tausend Dank für den Tipp!

      • Antworten
        motessa
        11. Februar 2016 at 21:06

        es gibt bei uns die Hygienebeutel 6lt, die passen da mit etwas gemurkse gut rein, dann muss man nicht die teuren Beutel kaufen die zum Gerät passen.

  • Antworten
    birgitdiestarke
    9. Februar 2016 at 22:58

    Herbert Biesl …