Meermond
Reisen in Dänemark

Schleifengeschichten!

„Habt ihr schon eine Route geplant?“ Ich gebe es zu, bei meiner Antwort druckse ich oft verlegen herum. Im besten Fall antworte ich: „Wir haben uns eine bestimmte Region ausgesucht, die wir erkunden wollen.“ Meist lächle ich meinem Gegenüber nur ein „Öh“ entgegen. Inzwischen haben wir es aufgegeben, unsere Reiserouten exakt zu planen. Bisher war es nämlich immer das Gleiche: Wir planen, wir überlegen und am Ende landen wir doch ganz wo anders. Und jedes Mal freuen wir uns über unsere tollen Entdeckungen und Erlebnisse. Wir wissen, wohin wir ungefähr wollen und dann suchen wir uns Schleifengeschichten.

Sie beginnen meistens so:

Biegst du da mal ab?

Neugierde

Eine Eigenschaft, die sowohl Alexander als auch ich haben, ist unglaubliche Neugierde. Der neueste Klatsch ist uns egal, wir sind eher neugierig darauf, wie Dinge und Orte „dahinter“ aussehen. Wir gehen mit offenen Augen durch´s Land und zögern nicht, eigentlich angedachte Wege zu verlassen, weil Irgendetwas unser Interesse geweckt hat.

Siehst du den See da hinten? Den würde ich gerne aus der Nähe betrachten.

Wir biegen also bei der nächsten Gelegenheit ab und kommen natürlich nicht zum See. Wer weiß schon, wie man dahin kommt! Aber wir landen in einem riesigen Gelb und staunen.

Besenginster

Obwohl dieses Gelb mitten im Nichts ist und wir keine Ahnung haben, wie wir da ohne Navigation je wieder heraus finden sollten, verlassen wir den von der freundlichen Stimme angesagten Weg.

Wir folgen einer Schleife.

Immer der Schleife nach

In den vergangenen Wochen waren wir so viel unterwegs, dass unsere Freunde uns schon Vermissten-SMS schickten. Seit wir unseren Campingwagen haben, haben wir viel Freude daran, die Gegend zu erkunden. Gerne auch die nähere, denn schließlich gibt es überall konkrete Hinweise darauf, wo es etwas zu entdecken gibt.

Dazu folgen wir entweder der Margeritenroute, die an etwa 1000 Sehenswürdigkeiten oder besonders schöner Natur vorbeiführt. Oder wir halten Ausschau nach den kleinen Schleifen. Ihnen zu folgen hat sich eigentlich immer gelohnt. Und so freuen wir uns nach dem Gelb über diese zauberhafte, kleine Mühle mitten im Wald.

Fundstück Mühle

Wir schauen uns immer sorgfältig um, wenn wir einen kleinen Schatz gefunden haben. Denn meist gibt es bei den mit Schleifen ausgewiesenen Sehenswürdigkeitenhübsche Wanderwege. Wir haben daher immer einen gepackten Wanderrucksack im Kofferraum.

Wandern

Die Wanderwege in Dänemark sind gepflegt und gut ausgeschildert. Noch nie haben wir auf unseren Wanderungen eine spezielle Karte gebraucht. Bisher hat uns Open Street Map gute Dienste geleistet, galt es, sich für eine Routenfarbe zu entscheiden.

Wanderweg

Den Schleifen zu folgen und sich dann sorgfältig umzusehen, hat uns schon sehr schöne Ausflüge ermöglicht. Genau so haben wir damals ➡ Fosdalen gefunden. Oder auch den höchsten Grabhügel Dänemarks.

Kulturwunder

Die Informationen, die wir auch für unsere Blogartikel verwenden, finden wir vor Ort. In Dänemark gibt es bei jeder Sehenswürdigkeit sorgfältig ausgearbeitete Informationstafeln mit QR Codes. Manchmal liegen noch gedruckte Flyer in kleinen, grauen Kästchen aus, doch sollen sie zunehmend digitalisiert werden. Beim ➡ Naturstyrelsen gibt es reichlich Informationsmaterial und Karten.

Schleifengeschichten

Wir haben schon viele kleine Abenteuer erlebt, zu denen uns jeweils eine Schleife geführt hat. Die Aufregung, bei Roskilde in ein komplett geschlossenes Ganggrab hineinzugehen, werden wir alle Vier wohl nie vergessen.

Jættestue

Unsere Schleifengeschichten sind unsere ganz persönlichen Schätze.

Und schon bald machen wir uns wieder auf Schatzsuche. Dieses Mal fahren wir nach Norwegen, wo es die kleinen Schildchen übrigens auch gibt. Ob wir schon wissen, wohin es geht?

Öh!


Lesetipps:

Teilen:

Kommentar verfassen

11 Kommentare

  • Antworten
    Djursland - eine besonders schöne Ecke in Dänemark - Meermond
    4. August 2020 at 23:12

    […] Als wir wieder einmal neugierig einem Schleifenviereck folgen, landen wir an einer Küste, die uns den Atem raubt. Wer hätte gedacht, dass die Ostseeküste Jütlands so aussehen kann: […]

  • Antworten
    Stella, oh, Stella
    16. Juni 2020 at 17:07

    Haha, so machen wir es auch. Der geplante Ort oder Weg ist selten der, wo wir landen … und auf diese Weise haben wir schon die schönsten kleinen Leckerbissen entdeckt, auch hier in Dänemark.

    Ich wünsche euch jedenfalls viel Glück bei der Schatzsuche in Norwegen, das ist auch so ein tolles Land!

    • Antworten
      Meermond
      17. Juni 2020 at 10:50

      Folge der Schleife, hihi!
      Manche dieser Leckerbissen findet man nämlich nicht einmal in Reiseführern und es macht Spaß, sie zu entdecken.
      Ich danke dir, wir freuen uns schon sehr auf Norwegen. Da gefällt es uns immer ganz besonders.

  • Antworten
    Angela
    16. Juni 2020 at 15:51

    Unsere schönste „Schleifengeschichte“ haben wir ganz bei euch in der Nähe in Nordjütland erlebt. In Bindslev sind wir spontan einem Schleifenschild „ Fisktrappen“ gefolgt. Nachdem wir die Fischtreppe bewundert hatten, sind wir dem Pfad weiter gefolgt und bei dem kleinen Elektrizitätswerk gelandet. Fasziniert haben wir uns die alte Technik angesehen und waren begeistert mit welch liebevoller Art alles in Schuss gehalten wird.Gekrönt wurde die ungeplante Entdeckung, als plötzlich ein älterer Herr vor uns stand. Er erzählte uns, dass er Maler ist und in dem Elektrizitätswerk wohnt und schwupp die wupp waren wir in seinem Wohnzimmer, haben seine Kunstwerke bewundert und ein nettes, sehr informatives Gespräch gehabt. Die meisten seiner Werke waren nicht nach meinem Geschmack, aber er hatte einige Strand, Dünen und Heidelandschaftsbilder, die wunderbar die Landschaft und Stimmung widerspiegeln. Aus dem kurzem Abstecher wurden zwei unvergessliche Stunden!
    Das ist jetzt 5 Jahre her und es würde mich mal interessieren, ob der nette ältere Herr noch immer dort lebt und malt!

    • Antworten
      Meermond
      17. Juni 2020 at 10:55

      Die Treppe kenne ich tatsächlich auch!
      Ich finde es immer richtig fabelhaft, wenn man plötzlich auf einen redseligen Dänen trifft. Die plaudern so gerne! Ich stand einmal ganz überraschend in einem fremden Wohnzimmer und durfte eine absurde Flaschenöffnersammlung bestaunen. Und das bloß, weil ich mich mit einer Frau über die Zukunft eines sehenswerten Stadtviertels von Aalborg unterhalten habe. Sowas vergisst man nie wieder, stimmt´s?
      Ich komme leider so gar nicht in die Gegend hoch, kann die die Frage nach dem alten Mann nicht beantworten.

  • Antworten
    freiedenkerin
    16. Juni 2020 at 13:50

    Ich versuche oft, meine Touren genau zu planen – und dann ergeht es mir wie euch, ich entdecke eine interessante Abzweigung, und lande dann auch häufig ganz woanders. 😉

    • Antworten
      Meermond
      17. Juni 2020 at 10:56

      Diese Touren sind so persönlich! Ich könnte mir nicht vorstellen, eine Reise zu machen, in der sowohl die Route als auch die jeweiligen Übernachtungsorte vorgegeben sind. Sowas kann man ja buchen. Ich entdecke meine ganz eigene Reise. Vielleicht sehe ich dann nicht immer alle Must See, aber dafür habe ich Zeit für den Augenblick 🙂

      • Antworten
        freiedenkerin
        17. Juni 2020 at 10:58

        Meine Eltern haben stets Busreisen gemacht, die von A bis Z durchorganisiert gewesen sind. Das ist so ganz und gar nichts für mich. Vor meinen langen Fahrten durch Florida habe ich stets nur die Flüge und den Mietwagen gebucht, und mich dann ganz nach Gusto durch’s Land treiben lassen.

        • Antworten
          Meermond
          17. Juni 2020 at 11:01

          Solche Busreisen wären auch nichts für mich.
          Durch´s Land treiben lassen.
          Genau das sind die richtigen Worte, die ich ab jetzt antworten kann. Danke dir!

  • Antworten
    Christine
    16. Juni 2020 at 7:18

    Manchmal bin ich verblüfft, wie sehr Euer Reiseleben übereinstimmt mit dem, was ich mit meiner Familie in den 60er und 70er Jahren erlebt habe. Die Mageritenrouten sind teilweise wirklich überwältigend schön und die berühmten Schleifen zeigen uns hinreißende Sehenswürdigleiten. Auch meine Familie war so entspannt und hat sich so das Land erobert, ist mal hier mal da hingefahren. Genauso habe ich es später mit meiner Familie gemacht. Als ich vor drei Jahren mit meinem Sohn nach Kopenhagen die Margeritenroute genommen habe, sahen wir Wäldchen voller kleiner weißer Buschwindröschen, die einem Märchen entsprungen zu sein scheinten. Oder die Margeritenroute in Sjaellends Odde lässt einem den Atem stocken, weil’s so wunderschön ist. In diesem Fall wünsche ich mir tatsächlich, das Euer Blog nicht von so vielen gelesen wird, damit es nicht alle nachmachen, denn dann ist’s vorbei mit der Ruhe an diesen Orten, die ja auch gerade ihren Reiz durch die Ruhe haben. Trotzdem Danke für diesen Bericht, der mir ungeheuer gut getan hat, weil er die Vorfreude auf unsere diesjährigen Urlaube steigert und einfach hinereißend schön ist!

    • Antworten
      Meermond
      16. Juni 2020 at 7:50

      Du brauchst keine Angst davor zu haben, dass unser Reiseveranhalten von zu vielen nachgemacht wird. Meermond wird zwar inzwischen sehr oft aufgerufen, doch unsere Art zu reisen ist nicht Jedermanns Ding. Durchgeplante Roadtrips und Wildlifeadventure sind derzeit eher die Trends für Skandinavien. Also keine Angst, Schleifengeschichten sammeln ist eher meermondig oder christinig 😉.
      Das wird wohl kaum zum Trend werden….
      Liebe Grüße