Skagen – ein Ort für Künstler, Feingeister und Piraten

Wir haben das Glück, dass wir nicht wirklich weit von Skagen, der Stadt an der Spitze Dänemarks, wohnen. Der Beschluss, einen Sonntagsausflug dorthin zu machen, fiel daher eher spontan und hat sich – wie zu erwarten – wieder einmal gelohnt! Wir planen, dieses Mal auf einen Besuch der Wanderdüne Råbjerg Mile [ ➡ hier unsere Fotos vom Sommer ] und der Tilsandeden Kirke zu verzichten. Skagen – eine kleine Stadt in großer Natur Wir lieben es immer wieder, das zunehmend flacher und karger werdende Land vor Skagen zu durchqueren. Kleine Seen inmitten einer hügeligen Dünenlandschaft und nordisch bunte Flechten laden dazu ein, den Geist auf Reise zu schicken. Nicht nur ich mag es, Großes im Kleinen zu entdecken. Auch meine Kinder haben inzwischen gelernt, sich auf ein ganzheitliches Erleben der Natur einzulassen. Und die Natur bietet ihren Besuchern gerade bei Skagen besonders außergewöhnliche Erfahrungen! Als wäre die riesige Wanderdüne ➡ Råbjerg Mile im Süden der Stadt nicht genug, peitschen die Wellen des Skagerrak (Teil der Nordsee) und des Kattegat (Teil der Ostsee) beim Grenen aufeinander. Diese Sandzunge vergrößert sich laufend und zieht jedes Jahr mehr als eine Million Touristen an, die mit einem Bein in der Nordsee und mit dem anderen in der Ostsee stehen wollen. Grenen Während wir im Sommer Schlange stehen, um DAS „Skagenfoto“ knipsen zu können, haben wir den oft fälschlicherweise als nördlichster Punkt Dänemarks bezeichneten Zipfel dieses Mal für uns alleine und verlieren uns in seiner Magie. Worte verschwinden. Eine lange Spitze ist heute nicht zu sehen, das Ende von Dänemark zeigt sich uns rund. Die Nordsee schlägt harsch auf die ruhige Ostsee ein und teils heftige Windböen rütteln an meiner Kamera. Den tatsächlich nördlichsten Punkt bei Nordstrand, etwa 2,5 km vom Grenen entfernt ➡ hier , besuchen wir nicht, da wir noch vor Einbrechen der Dunkelheit zurück am Parkplatz sein wollen. Der Himmel über dem jungen Land beim Grenen kündigt einen zauberhaften Sonnenuntergang an. Soll ich euch was gestehen? Ich war noch nie in dem grauen Leuchtturm kurz vor Grenen drin! Es kleben unzählige Fotos aus mehreren Jahrzehnten in meinen Fotoalben, aber es sind immer nur Aufnahmen wie diese: Und ja, auch am vergangenen Sonntag stehen wir wieder einmal vor verschlossenen Toren. Im Januar ist der Turm nämlich zu. Skagen – die Stadt der Künstler Kunst und Skagen sind untrennbar miteinander verbunden. In meinem Kopf tauchen lichtdurchflutete Gemälde und detailgetreue Fischerbilder auf. Ich erinnere mich an Namen wie Ancher, Krøyer und Drachmann, die bis heute Menschenscharen an die Spitze Dänemarks locken. Im Sommer wuselt es überall, 2018 legten 40 Kreuzfahrtschiffe in Skagen an! Die vielen Künstler, die Skagen in den vergangenen 150 Jahren zu ihrer Heimat gemacht haben, verliehen dem Ort eben diese ganz besondere Atmosphäre. Sie ist allgegenwärtig im Skagens Museum und in den berühmten Künstlerhäusern und Ateliers. Licht und Leichtigkeit. Als wir die Stadt nach Sonnenuntergang erreichen, sind die Straßen leer und das Museum dunkel. Sowohl das Drachmann Haus als auch das Ancher Haus öffnen erst wieder Anfang April. Wir schlendern durch die stille Fußgängerzone mit den typischen, gelben Häusern und erzählen unseren Kindern die Geschichten, denen man in Skagen nachspüren kann. Weitere Fotos zu Skagen: [klick ?groß] Was hat dieser romantisch anmutende Ort Skagen inmitten einzigartiger Natur eigentlich mit den in der Überschrift erwähnten Piraten zu tun? Eine ganze Menge: Lækkerbisken: Legale Piraterie in Skagen Im Krieg gegen die Engländer [1807 – 1814] wurde die dänische Flotte geraubt. Die Dänen begannen umgehend mit dem Bau von Kanonenbooten, welche unter anderem auch von nordjütländischen Häfen ausliefen. Von Frederiskshavn aus nahmen die kleinen und schnellen Schiffe den Kampf mit den Engländern auf und schützten so die Getreidelieferungen nach Norwegen. Zur gleichen Zeit wurden staatliche Freibriefe ausgestellt, die Privatleuten das Kapern von schwedischen und englischen Kriegs- und Handelsschiffen erlaubte.So mancher nordjütische Kaufmann rüstete sein Schiff mit Kanonen und kampflustigen Männern auf und ging von Sæby und Skagen aus auf Raubzug. Der größte Kaperkapitän von allen, Peter Jacob Larssen, wurde übrigens später der erste vom Volk gewählte Bürgermeister von Sæby. Schiff ahoi, Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:P.S.Kr%C3%B8yer–Summer_evening_on_Skagen%27s_Beach._Anna_Ancher_and_Marie_Kr%C3%B8yer_walking_together.-_Google_Art_Project.jpg