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Reisen in Dänemark

Urlaub in Dänemark – Camping oder Ferienhaus?

Es ist Reisezeit! Du träumst von Erholung, Hygge, Natur, Freiheit, Weite, Sand, Strand, Dünen und endlosem Wellenrauschen im Westen und Osten? Dann ist Dänemark genau das Land, das du besuchen solltest. Aber Vorsicht, es kann dich in seinen Bann ziehen!

Viele der eingefleischten Dänemarkliebhaber kennen und lieben ihr Herzensland bereits seit ihrer Kindheit. Oft geben sie diese Liebe, genau wie einst ihre Eltern, an die Kinder weiter. Nicht selten werden sogar die gleichen Gegenden aufgesucht! Und genau wie früher ist das Warten auf den ersehnten Anreisetag jedes Mal unerträglich. Bei der Abreise werden bereits Pläne für den nächsten Urlaub im Herzensland geschmiedet oder Ferienhäuser reserviert.

Ferienhaus in Løkken
Das berühmteste Ferienhaus Dänemarks

Der Geruch der Kindheit

Kennst du das? Du sitzt in deinem Auto, bewunderst die Landschaft und freust sich darüber, wie sie sich verändert. Du findest es großartig, endlich die gut geteerten Straßen zu verlassen und auf immer holperigerem Untergrund in wilde, zunehmend menschenleere Natur vorzudringen. In Dänemark findest du es herrlich, dem gleichmäßigen Donkdonkdonk der Betonstraßen zu lauschen und schließlich in graue, knirschende Schotterwege einzubiegen. Dein Magen hüpft vor Freude, wenn du auf dem Straßenschild den Namen aus den Reiseunterlagen lesen kannst.

Da! Dein Ferienhaus!

Du reißt die Autotüre auf und springst nach draußen. Du vergisst beinahe, die Türen zu schließen, denn du willst unbedingt ins unbekannte Domizil hinein, darin herumlaufen und alles ansehen.

Und dann bleibst du schnuppernd im Hausflur stehen: dänischer Ferienhausgeruch.

Der Geruch deiner unbeschwerten Kindheit?

Nach einem ersten Rundgang nimmst auf der Bank vor dem Haus Platz, genießt die Aussicht und freust dich auf das, was kommt.

Nimm Platz!

Was ist es, was dich in einem dänischen Ferienhausurlaub erwarten wird?

Urlaub inmitten dänischer Natur

An dänischen Küsten befinden sich unzählige Ferienhäuser. Sie sind typisch dänisch.

Viele davon stehen ohne Zaun und erkennbaren Garten inmitten herrlicher Dünenlandschaft. Du machst die Haustür auf und bist genau dort, wo viele sein möchten: in der Natur.

Gemäß einer aktuellen Untersuchung (Quelle: kystognaturturisme) ist der Aufenthalt in der dänischen Natur genau das, was die Urlaubsgäste wünschen und mit dem sie zufrieden sind. Allerdings wird in der gleichen Studie deutlich, dass die Ansprüche an Quantität und Qualität der Outdooraktivitäten steigen. Vielen reicht es heute nicht mehr, täglich ausgedehnte Strandspaziergänge zu machen. In Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsministerium sollen daher neue Handlungspläne entworfen werden, um im Konkurrenzkampf um Touristen nicht nur bestehen zu können, sondern auch weitere Gäste anlocken zu können.

Es darf also angenommen werden, dass die Infrastruktur in Dänemark dahingegend erweitert werden wird, eine bessere Zugänglichkeit und mehr Möglichkeiten zu Erlebnissen in der Natur zu haben.

aussicht bei svinklovene
Ausblick auf die Jammerbucht bei Svinklov

Urlaub im Ferienhaus

Mit einem Ferienhaus hast du während deines Urlaubs einen Ort, an den du nach deinen Ausflügen zurückkehren kannst. Das dänische Wetter ist ganzjährig wechselhaft, (sehr) windig und meist kühl. Es ist schön zu wissen, wo man am Abend seine Kleidung trocknen und sich aufwärmen kann. Schließlich haben viele Ferienhäuser sowohl Holzofen als auch Wäschetrockner. Aber ist es ausschließlich der Ofen, der einen Urlaub im Ferienhaus attraktiver als den Campingurlaub macht?

Bei einer Umfrage bei Instagram gaben nämlich 94 % der Teilnehmer an, lieber in einem Ferienhaus als auf dem Campingplatz Urlaub zu machen. Ich habe also nachgefragt, warum sie so geantwortet haben. Hier eine Auswahl der Antworten:

  • Ein Haus in der Dünenlandschaft ist Hygge pur.
  • Es fühlt sich dann wie ein Zuhause an.
  • Das Haus verkriecht sich in den Hügeln der Dünen und ich verkrieche mich mit. Das wirkt total entspannend und beruhigt mich sehr.
  • Es ist fast so, als würde ich für kurze Zeit am Meer wohnen.
  • Man muss nicht immer alles mitnehmen und kann sich häuslich einrichten.
  • Möglichkeit zu Komfort und Luxus: eigenes Bad, Sauna, Whirlpool usw.
  • Ich habe ein ganzes Haus mit kompletter Einrichtung für mich (und meine Familie).
  • Mehr Platz
  • Besser mit Hund.
  • Ab einem gewissen Alter ist Camping zu beschwerlich.
  • Im Wohnzimmer zu sitzen und auf das Meer zu schauen ist das Größte!
  • Man kann auch Großurlaube mit Familie und Freunden in einem Haus machen.
  • Man sieht oft nicht einmal seinen Nachbarn.
  • So kenne ich das von meinen Eltern.
  • Man hört nur den Wind und das Meer.
  • Man wohnt in einem richtigen skandinavischen Haus.
  • Mehr Privatsphäre!

Das folgende Zitat ist mir in der Fülle der Antworten besonders aufgefallen und sagt viel darüber aus, dass ein Ferienhaus dem dänischen Wetter einfach besser trotzen kann: „Wir haben einmal gezeltet … und dann kam ein fetter Sturm … hab heute noch ein Trauma.“

Typische Ferienhauseinrichtung

Camping – Fern vom Alltagsleben

Immer wieder erreichen mich Anfragen, ob ich einen Campingplatz in guter Lage empfehlen könnte. An dieser Stelle möchte ich betonen, dass ich keine Reiseverkehrskauffrau bin. Ich kann Interessierte nur auf gängige Campingportale (in👉 diesem Artikel habe ich eines erwähnt. Beitrag enthält Werbung) oder auf darauf spezialisierte Blogs verweisen.

Wir selbst lieben es, ab und an zu einem Campingurlaub aufzubrechen und haben bereits mehrere Varianten ausprobiert: Urlaub in Campinghütten, Zelt und Campingwagen. Uns fehlt lediglich die Erfahrung eines Urlaubs im Wohnmobil. Wie viele andere Skandinavienfans erkunden wir während unserer Reise verschiedene Regionen des Nordens.

Wir lieben die weite und wilde Natur und brauchen keine Menschenseele für unser Glück. Am Lagerfeuer genießen wir den Gedanken, klein und allein im Großen zu sein. Unsere Kinder lärmen, klettern und toben, bis sie erschöpft einschlafen. Wir vermissen weder Fernseher noch Computer. Wir tragen Nützlich anstatt Trendy und sind sogar manchmal ein kleines bisschen verdreckt.

Und trinken Kaffee auf dem Klappstuhl.

Ich in Schweden.

Ferner kann ich meinem Alltagsleben vermutlich nicht sein. Das gefällt mir ab und an sehr gut, zum Dauercamper wäre ich allerdings nicht geeignet und jeden Sommer muss ich auch nicht auf dem Klappstuhl verbringen.

Campingurlaub in Dänemark

Ich gebe zu, ich selbst habe erst drei Übernachtungen auf einem dänischen Campingplatz erlebt und meist war ich auf der Durchreise nach Norwegen. Doch die Antworten bei meiner Umfrage decken sich im Wesentlichen mit meinen eigenen Erfahrungen:

  • Ich bin gerne ungebunden.
  • Ich fahre mit meinem Bus hin, wohin es mir gefällt.
  • Es ist eine ganz andere Erfahrung.
  • Zurück zum Einfachen und zur Natur.
  • Weil es mit Kindern einfach super ist!
  • Man bekommt viel mehr zu sehen als in einem Ferienhaus.
  • Dänische Campingplätze sind oft ein Kinderparadies!
  • Das Meer ist immer in der Nähe. Egal, wo man gerade ist.

Leider muss ich jetzt anmerken, dass das Campen auf dem Strand verboten ist. Überdies gilt das oft genannte Jedermannsrecht Skandinaviens in Dänemark nicht. Es ist also unzulässig, sein Zelt oder sein Wohnmobil dort abzustellen, wo man es gerade schön findet. Man muss auf Campingplätzen oder ausgewiesenen Stellen übernachten. Auf Parkplätzen darf man nur dann schlafen, wenn man ansonsten nicht in der Lage wäre, seine Fahrt fortzusetzen. Sich „häuslich“ einzurichten und Klappstühle aufzustellen, ist nicht erlaubt.

Mangels Wohnmobil gehören auch wir zu den oben erwähnten 94 % und buchen ein Ferienhaus, wenn wir in Dänemark urlauben. Denn das machen wir immer noch (hier habe ich von unserem Winterurlaub auf Rømø geschrieben) sehr gerne – selbst wenn wir jetzt hier wohnen! Denn eines habe ich im Laufe von über 40 Jahren Urlaub in Dänemark verinnerlicht: Hier ist Ruhe. Egal, zu welcher Jahreszeit.

Dänemark ist Ruhe. Immer.

Dänemark muss Slow!

Machen wir uns nichts vor. Wir sind mobiler denn je und es wird immer mehr. Tagtäglich legen wir unzählige Kilometer zurück und eigentlich rasen wir durch unser Leben. Wir leben nicht mehr, wir fahren unser Leben. Ein Innehalten gibt es kaum noch. Sitzen wir doch einmal still und müssen warten, so fliegen nämlich unsere Zeigefinger weiter. Sie jagen über einen Bildschirm und treiben unsere Gedanken auf eine Reise durch das Internet. Und ist endlich die Zeit zum Nichtstun gekommen, wir nennen das Urlaub, ist es oft nur eine weitere Jagd. Wir reihen uns in die im Stau stehende Schlange derjenigen ein, die die „Freiheit auf deutschen Autobahnen“ genießen, preschen, erkunden, sausen und fliegen in alle Himmelsrichtungen.

Ich bin mir nicht sicher, wie ich gleich sagen soll, was ich sagen möchte. Ich versuche es dennoch:

Auf immer spektakuläreren Roadtrips fahren wir bis in die letzten, verbliebenen Paradiese. Wir jagen in die Einsamkeit, Weite und wilde Natur. Wir wollen alles sehen und knipsen vielleicht noch ein Foto mit Grenzerfahrung.

Frau am stürmischen Meer

Dann ziehen wir weiter.

Gleichzeitig dringen wir alle mit diesem Wunsch in immer entlegenere Stellen vor und zerstören damit genau das, wonach wir alle suchen.

Ruhe muss man zulassen

Egal, für welche Urlaubsart wir uns für unseren nächsten Dänemarkurlaub entscheiden, wir müssen damit zufrieden sein, was wir vorfinden. Wir müssen damit aufhören, auf der Suche nach dem Ultimativen immer weiter und tiefer in die Natur vordringen zu wollen! Ich spreche mich hiermit definitiv nicht gegen Rundreisen aus, wir müssen allerdings wieder mehr zum Einfachen zurück und das auch gut finden. Es reicht, was da ist. Bestehende Verbote müssen nicht nur bleiben, sondern ausgeweitet werden. Ich halte es für bedenklich, dass man beabsichtigt, die Infrastruktur in Dänemark auszubauen, damit ein leichterer Zugang zu Naturerlebnissen möglich ist. Der Spagat zwischen dem Ausbau des Tourismus und einem sanften Tourismus, der im Einklang mit Ressourcen und Umweltschutz steht, ist nur schwer zu leisten. Ich bin froh, dass ich als Gast in Dänemark hierzu zwar eine Meinung haben darf, aber keine Entscheidung treffen muss.

Dänemark ist, wie es ist: an manchen Stellen atemberaubend, an anderen Stellen langweilig und öde, dafür überall mit viel schlechtem Wetter. Und das ist auch gut so!

Dänemark muss Slow und kann das auch: Hier kann man den Wind atmen, das Rascheln des Strandhafers hören und auf endlosen Stränden und in bemoosten Wäldern wandern. Dieses Land lädt dazu ein, langsam zu urlauben, also Slowtravel zu betreiben. Ein solches Reisen ist bereichernd, schont die Natur und ist einfach richtig. Außerdem passt sanfter Tourismus zu Dänemark! Dänen nehmen sich immer Zeit zu genießen und auch das weniger Spektakuläre mit allen Sinnen zu erleben und zu feiern.

Ob man nun im Ferienhaus oder im Campingwagen zur Ruhe kommt, ist letzten Endes reine Geschmackssache und spielt im Prinzip keine Rolle.

Aber das mit der Ruhe, das muss man zulassen können – auch wenn es vielleicht etwas langweilig ist.

Gute Reise,

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8 Kommentare

  • Antworten
    Claus Hübner
    15. Januar 2020 at 19:25

    Wir hatten jahrelang einen Festplatz mit Wohnwagen am See und waren schon häufig auf Römö zum Drachenfest auf einem Campingplatz, man lernt dort deutlich schneller und einfacher andere Menschen kennen und kann selbst die Dauer des Aufenthalts bestimmen. Aber dort haben wir immer in einer Hütte gelebt. Ich finde es einfach bequemer nicht regelmäßig zum Waschhaus laufen zu müssen, egal wie das Wetter ist. Und es ist auch deutlich trockener als im Zelt auf feuchtem Boden. Am Womo stört mich, dass ich zum Teil die Plätze als besetzt markieren muss wenn ich mit dem Mobil zum Strand oder die nächste Stadt fahren will. Daher lieben wir einfach bei jedem Wetter ein Ferienhaus, aus allen im Artikel genannten Gründen. Ich fühle mich eher freier, da ich auf niemanden anderes Rücksicht nehmen muss und z. B. ungestört laut Musik hören oder feiern kann und die Wege im Haus dann kürzer sind. Und dann wieder die Ruhe in der Natur genießen um später wieder schnell ins hygge Haus zu kommen. Daher lieber Ferienhaus als Camping.

    • Antworten
      Meermond
      15. Januar 2020 at 20:29

      Danke für diesen wunderbaren Einblick ins Camperleben!
      Eine Dame schrieb mir, dass man irgendwann in einem Alter angekommen ist, wo es Zeit wird, in einem Haus zu urlauben. Die Ansprüche und Wünsche verändern sich wohl.
      Ich glaube, dass dies auch auf dich zutrifft, habe ich recht?

      • Antworten
        Claus Hübner
        15. Januar 2020 at 21:49

        Oh ja, jetzt wo du es ansprichst merke ich dass ich stark auf die 60 zugehe. Aber das ist ja bekanntlich das neue stark auf die 50 zugehen….. Und so fühle ich mich auch. Noch genug Zeit für schöne Urlaube im Ferienhaus bei euch da oben😄

        • Antworten
          Meermond
          18. Januar 2020 at 9:37

          Ich gönne dir ganz viele davon 🤗

          • Claus Hübner
            18. Januar 2020 at 14:59

            Danke👍

  • Antworten
    K.M. Fantasy World
    15. Januar 2020 at 18:19

    Das du den Geruch erwähnst… ja der Ferienhaus Geruch der sich in die Textilien setzt und einem daheim beim Koffer auspacken begleitet.
    An eine Anekdote meiner Kindheit erinnere ich mich jedes Mal zurück:
    Angekommen in Dänemark, mein Vater steigt aus um den Schlüssel zum Haus zu holen und meine Ma sagt zu mir: Wollen wir einmal dänische Luft riechen?
    Mit diesen Worten öffnete sie die Autotür und beide hielten wir unsere Nasen in den Wind.

    • Antworten
      Meermond
      15. Januar 2020 at 20:26

      Sowas vergisst man nicht mehr 😉 Ich bin sicher, dass du jedes Mal, wenn du in Dänemark die Tür deines „Dicken“ aufmachst, die Nase in den Wind hältst. Stimmt´s?