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Urlaub in Dänemark: Erinnerungen, Entschleunigung und Emotionen

Was sind deine ersten Erinnerungen an Dänemark? Softeis, Hotdogs oder der berühmte Hügel bei Nymindegab? Keines meiner Bilder hat mehr Kommentare in den sozialen Netzwerken bekommen als die berühmte Kurve, die auf den schmalen Landstreifen Holmslandklit zwischen der Nordsee und des Ringkøbing Fjords führt. Nie haben mir die Follower bei Instagram persönlichere Nachrichten zugeschickt als zu ➡ diesem einen Bild.

Dabei ist es eigentlich ein ziemlich langweiliges Foto: Es zeigt eine Straßenkurve. Rechts davon befinden sich ein paar Fischerhütten und auf der linken Seite verkriecht sich eine kleine, rote Hütte in den Dünen. Man erahnt sie mehr als dass man sie sieht. Das Motiv ist nicht wirklich hübsch und das Verkehrsschild nimmt dem Ganzen schließlich den letzten Rest an Romantik.

Falsch gedacht. Denn genau dieses Bild bringt sehr viele Menschen dazu, sich zu erinnern und von ihren Emotionen zu erzählen, die sie mit Urlauben in Dänemark verbinden.

Wenn wir am Ortsausgangsschild Nymindegab vorbei fahren und den genialen Blick über die Dünen – siehe Foto – haben, klatschen wir immer.

Kommentar bei Facebook

Wo der Urlaub beginnt

In den 70er Jahren stehen drei kleine Kinder vor einem gelbschwarzen Taunus und schauen aufgeregt dabei zu, wie die Eltern im Kofferraum ein Matratzenlager bauen. Es erscheint ihnen völlig normal, dass sie die Anreise zum Urlaubsort möglichst verschlafen sollen. Die Abfahrt ist mitten in der Nacht und das monotone Brummen besänftigt die normalerweise auf der Rücksitzbank raufenden Kinder. Leider weicht die brummende Idylle nach ein paar Stunden einem elterlich entnervtem Schimpfen über einen gewissen „Ölptunnel“. Hamburg und Elbe sind den Kleinen noch kein Begriff und sie verbinden Urlaub immer mit Stau vor diesem geheimnisvollen Ölptunnel. Nichts geht mehr und dieses Nichts überdauert endlose Wiederholungen des blödsinnigen Liedes „Ein Schneider fing ´ne Maus“. „Auf der Mauer, auf der Lauer“ jammernd quält sich die Familienkutsche schließlich viel zu viele Stunden weiter in den Norden.

Und dann taucht endlich ein weißer Gutshof am Ende einer Schotterstraße auf. Wer wohl dieses Mal die letzten Meter fahren darf? Auf dem Schoß des Papas sitzend und wichtig in alle Spiegel guckend lenkt eines der drei kleinen Kindergartenkinder das Auto auf der schnurgeraden Strecke in den Urlaub.

So begannen die Urlaube meiner frühen Kindheit. Urlaub auf Mors in Dänemark.

Kindheit in den Dünen

Urlaub der Erinnerungen

Für viele ist ein Urlaub in Dänemark mit Erinnerungen verbunden. Manche davon werden sogar jedes Jahr auf´s Neue gelebt. Das Bild der Kurve bei Nymindegab bringt viele dazu, sich daran zu erinnern. Zumindest lassen das die Kommentare bei Instagram vermuten. Hier eine Auswahl der schönsten Kommentare:

  • Wir hören grundsätzlich den Soundtrack von Armageddon BEVOR wir in Nymindegab sind und ab der Kippe des Hügels geht’s los 😍.
  • Wir fahren über die Kuppe. Aufschrei heller Begeisterung von hinten – unseres Sohnes 5 Jahre: „Mama wir sind in Dänemark!“ Dieses Erlebnis hat sich so festgebrannt … höre ihn noch heute, wenn wir dort rüberfahren.
  • Oh ja, gleich erstmal links abbiegen und das Meer sehen, anfassen, schmecken, im besten Fall gleich reinhüpfen!🐚😁🌊.

Viele wollen zu Beginn des Urlaubs sogar nachsehen, ob das Meer noch da sei. Auf meinen Einwand, dass das gewiss immer der Fall sei, wird zum Beispiel „Wohl wahr, trotzdem muss ich immer nachgucken, wir können vorher nicht durch diese Kurve fahren“ erwidert.

Manche Erinnerungen sind also an Rituale, wieder andere an Orte gebunden. Selbst wenn es eine unscheinbare Kurve ist.

Entschleunigung

Ich gehe der Sache etwas weiter auf den Grund und frage weiter. Ich will herausfinden, was ➡ viele Dänemarkfans mit einem Urlaub im Land zwischen den Meeren verbinden. Die herrlichen Sommer können es ja eher nicht sein. Sogar die gerne selbstironischen Dänen bezeichnen die Jahreszeiten hier als weißen und grünen Winter. Und doch kommen jedes Jahr mehr Touristen ins Land.

Sehr oft begründete man dies mit Entschleunigung. Sie setze bereits ab der Grenze ein, wenn man nur noch 130 kmh fahren dürfe. Die regelmäßig verteidigte Freiheit auf deutschen Autobahnen wird anscheinend gerne für das Erleben des Langsamen eingetauscht. Zeit für Ruhe statt Bleifuß auf dem Gaspedal. Zeit für andere Sinneseindrücke, für die während eines hektischen Alltags kein Platz ist. Kleines wird groß.

Lange glaubte ich, der einzige Mensch zu sein, dem die Erinnerung an knirschende Kieswege wichtig sei. Jeder auf ihnen im Schneckentempo zurückgelegte Meter ist ein Symbol für meine Urlaube in Dänemark. Offenbar nicht nur für meine:

Geräusche: Knirschende Kieswege, das Läuten des Eiswagens am Strand.

Kommentar bei Instagram
Kiesweg zu einem dänischen Ferienhaus

Emotionen

Wie mag es sich anfühlen, folgende Erinnerung zu haben:

Årgab 1982 mit der ganzen Familie. Das erste Mal Legoland und ich war zu klein für die Fahrschule.

Oder wie das:

Im Ferienhaus mit Pool in Dänemark als Kind Schwimmen gelernt.

Kommentare bei Instagram

Ich bin mir sicher, dass die Emotionen bei dem Gedanken an diese Erlebnisse und noch viele weitere bei jedem Dänemarkurlaub auf´s Neue aufkommen. Sie sind auf ewig im Herzen und mit dem Urlaubsort verbunden.

Es erscheint also durchaus logisch, dass viele schreiben, sie würden die Ankunft in Dänemark als Heimkommen empfinden. In Dänemark fühlen sich viele zu Hause. Als ob man ein weiteres mal

Mit Oma von den Dünen springen

oder noch einmal mit dem geliebten Opa am Strand spazieren könnte.

Das Land, das seine Urlauber in der Regel weder auf riesige Partymeilen noch in prunkvolle Glitzerwelten entführt, kann Geborgenheit vermitteln. Und manchmal auch trösten.

Die Verarbeitung des Todes meines Papas. Dänemark und die raue Nordsee haben mich gerettet.

Kommentar bei Instagram

Nicht wenige Dänemarkurlauber geben ihre Erinnerungen und die damit verbundenen Emotionen an ihre Kinder weiter. Dieses Land zu mögen ist anscheinend von viel Gefühl begleitet.

Und nicht selten ist es das Gefühl, hier zu Hause zu sein.

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12 Kommentare

  • Antworten
    Wenn Poseidon spricht - Meermond
    19. Oktober 2020 at 11:56

    […] Text inspirierte mich ein Zwiegespräch zweier Leserinnen im Kommentarstrang unter dem Beitrag ➡ Urlaub in Dänemark. Ich blätterte in diversen virtuellen Fotoalben und schmökerte in den Texten und Kommentaren […]

  • Antworten
    Birgit Rentz
    15. Oktober 2020 at 8:43

    So ist es, Waltraud. Um sich wie am Meer zu fühlen, braucht man nicht unbedingt dort zu sein. Ein paar Minuten am Tag intensiv daran denken, Fotos betrachten oder Augen zu und Kopfkino einschalten – das reicht fürs Erste. Nicht zu vergessen die Macht der Vorfreude!

  • Antworten
    Waltraud
    14. Oktober 2020 at 22:26

    Hallo Birgit, genauso geht es mir auch. Und es ist so schön, das man in seinem Herzen solche Momente bewahren kann, und wenn man die Augen schließt, das Rauschen der Wellen zu spüren, das Geschrei der Möwen zu hören und den Duft von Meer und Schlick in der Nase zu haben. Was gibt es schöneres, solche Augenblicke für sich auf diese Art zu konservieren. Ich habe gerade heute gelesen, das es die kleinen Dinge des Lebens sind, die wirklich glücklich machen.

    • Antworten
      Meermond
      17. Oktober 2020 at 17:02

      Du hast ja so Recht, meine Liebe! Glück muss man selbst zulassen und nicht dauernd danach suchen. Und gerade das Kleine kann sehr groß sein!

  • Antworten
    Birgit Rentz
    14. Oktober 2020 at 19:43

    Ein bisschen „Erinnerungen, Entschleunigung und Emotionen“ erlebe ich jedes Mal, wenn ich Fotos aus den vergangenen Dänemarkurlauben betrachte. Ich weiß ganz genau, wann und wo ich meine vielen Lieblingsbilder aufgenommen habe. Und sobald ich wieder draufschaue, bin ich in Gedanken in meinem Herzensland. Natürlich lässt sich das Live-Erlebnis nicht überbieten, aber sich zwischendurch mal aus dem Alltag wegzubeamen ist doch legitim. Und so träume ich beim Anblick meiner schönen Fotos …

    • Antworten
      Meermond
      17. Oktober 2020 at 16:59

      Ein bewusstes Träumen kann sehr erfüllend sein und tatsächlich die Wartezeit bis zum nächsten Urlaub leichter machen. Und bei deinen schönen Bildern gelingt das Träumen gewiss hervorragend! Liebe Grüße

  • Antworten
    Fred Lang
    14. Oktober 2020 at 8:25

    Zitat: „Alle wollen jetzt plötzlich nach Dänemark!“
    Schon seit über 40 Jahren ist Dänemark für meine Frau und mich das Urlaubsland Nr. 1. Leider hat in den letzten Jahren der Tourismus – zumindest in der Hauptsaison – enorm zugenommen. Das früher bei der Einreise in dieses schöne Land immer als so angenehm empfundene Gefühl der „Entschleunigung“ stellt sich nicht mehr ein. Das ist schade, aber wohl unumkehrbar.
    Da wir nicht mehr berufstätig sind, können wir auf die Nebensaison ausweichen.

    • Antworten
      Meermond
      14. Oktober 2020 at 10:01

      Lieber Fred, ich beobachte mit Sorge, wie sehr Tourismus zunimmt. Hier und weltweit! Leider ist die Grenze der Belastung in vielen Regionen / Städten der Erde längst überschritten. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis die breite Masse auch ins lange eher unpopuläre Skandinavien vordringt. Denn jeder wünscht sich Erholung und jeder soll auch reisen dürfen. Für Familien mit schulpflichtigen Kindern bleibt viel von dem verwehrt, wozu ihr zum Beispiel die Möglichkeit habt. Die Hauptsaison ist für alle belastend und teuer. Ein wahrlich ungerechtes Dilemma. Ich wünschte mir die Möglichkeit einer freien Ferienwahl, zumindest ein Teil der Ferien. So wie im Arbeitsleben eben auch. In Dänemark dürfen wir 1 Woche frei beantragen, das ist richtig super. Sowas würde, wenn es ausgeweitet würde, deutlich entzerren.
      Dänemark setzt übrigens viel daran, den Tourismus im Land als Wirtschaftszweig zu fördern. Mögen weise und sensible Leute in den Entscheidungsgremien sitzen, die Venedig, Sylt oder Mallorca stets als warnende Beispiele vor den Augen haben.
      Herzliche Grüße

  • Antworten
    Stella, oh, Stella
    13. Oktober 2020 at 21:05

    Ich hänge ja nicht gefühlsmässig an einem Land, weder Dänemark noch Deutschland, keines ist wirklich Heimat für mich, aber zuhause fühle ich mich vielerorts.

    • Antworten
      Meermond
      13. Oktober 2020 at 21:20

      Ich war tatsächlich überrascht, als ich festgestellt hatte, wie viel Emotionen ich entdecken konnte.
      Was nicht ein einziges Foto alles vermitteln kann!
      Heimat und Zuhause sind offenbar auch von der eigenen Persönlichkeit abhängig. Ich binde diese Gefühle hauptsächlich an Menschen. Meine Männer sind quasi meine Welt ❤️