Meermond
dänische Kultur Traditionen

Zimt und Pfeffer, meine Herren!

Vor einiger Zeit erhielt ich eine Anfrage des Redaktionsteams von Jörg Pilawa. Ob ich denn Fotos hätte, auf denen man sehen könne, wie ein dänisches Zimtbad aussehe. Leider musste ich damals verneinen. Und obwohl ich inzwischen längst der Annahme war, dass das alles jetzt jeder weiß, gehen die Aufrufezahlen meines bereits alten Beitrags immer wieder an die Decke, sobald man in deutschen Medien darüber berichtet.

Nun, inzwischen haben ich Bildmaterial von Freunden bzw. netten Kollegen bekommen. Und was ich da zu sehen bekam, ist sehr beeindruckend! Wenn die Dänen feiern, dann richtig!

25 Jahre

Wer in Dänemark 25 Jahre alt wird und noch immer unverheiratet ist, der wird mit Zimt eingestäubt. Dabei gibt es verschiedene Ausprägungen der Tradition. Während über den Köpfen der einen Geburtstagskinder lediglich ein Briefchen mit Zimtpulver ausgeschüttet wird (Sjælland), greift man in anderen Teilen des Landes zu Gewürzsäcken oder umgebauten Laubbläsern. Lange Rede, kurzer Sinn: Bei uns im Norden Jütlands wird kiloweise und mitsamt Feuerlöscher gezimtet.

kanelsvend (Zimtbursche)

In der Regel soll das Geburtstagskind von Freunden überrascht und an einen festen Gegenstand gefesselt werden. Und dann wird „med en munter tone“ (mit freudigem Ton) Zimt ausgeschüttet.

Tillykke med de 25!

Ich bin mir nicht sicher, ob ich, wäre ich Palle, meine Freunde nach dieser Feier noch als wahre Freunde bezeichnen würde …

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Føj for pokker siger jeg bare! (Pfui, sag ich da nur!)

Ich habe gelesen, dass das Zimtbad aus einer viel älteren Tradition heraus entstanden sei. Vermutlich haben die jungen Leute mit dem Spaß nicht bis zum 30. warten wollen.

30 Jahre

Die ältere Tradition ist die, unverheiratete Männer am 30. Geburtstag mit Pfeffer zu beschenken. Der Brauch reicht zurück bis in die Zeit der Hansebünde, wo eben der Pfefferbursche Gewürze und Bier auf den etablierten Märkten verkaufte. Auch hier sind dem Ideenreichtum keine Grenzen gesetzt. Und so greifen die einen zu Pfeffermühlen, die anderen zu Säcken. Und ihr ahnt es schon, nicht?

Richtig, im Norden kennt man nicht einmal bei Pfeffer Gnade.

Oje!

Ich hoffe, dass mein Sohn bis zum 30. eher in Richtung Hauptstadt gezogen sein wird. Dort reicht man zum 25. Zimtkringel und zum Dreißigsten schenkt man Pfeffermühlen.

Den netten Herren, die uns die heute gezeigten Bilder überlassen haben, danke ich vielmals. Ich wünsche nachträglich noch alles Gute zum Geburtstag.

Tillykke og prosit!

Hatschi!

Herzlichst,

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8 Kommentare

  • Antworten
    Waltraud
    17. August 2020 at 23:36

    Ich stelle mir nur vor wie es ist das ganze in den Augen, Mund und Nase zu bekommen. Grrrrr und evtl. auch noch in der Wohnung. Ja es ist wirklich von Vorteil schon älter zu sein👍

    • Antworten
      Meermond
      22. August 2020 at 22:07

      Ich will mir das gar nicht vorstellen! Furchtbar!!!

  • Antworten
    Stella, oh, Stella
    17. August 2020 at 22:30

    Ja, habe ich auf YouTube gesehen. Stell dir deine Polstermöbel vor danach …

  • Antworten
    Waltraud
    16. August 2020 at 18:04

    Was für eine Verschwendung von dem leckeren Kanel, aber Brauchtümer sind ja manchmal sehr speziell. Da finde ich es wirklich schöner in Deutschland wo die Mädels Klinken putzen müssen oder die Jungs, wie mein Bruder an seinem 30. Geburtstag die kompletten Theatertreppen fegen musste, die wir ihm natürlich vorher mit Sägemehl präpariert hatten. Vorher ist er mit einem Leierkasten und mit Frack und Zylinder durch die halbe Stadt getingelt. Eine viel schönere Variante. Aber Hauptsache die Jugend hat ihren Spaß.

    • Antworten
      Meermond
      17. August 2020 at 20:47

      Es scheint viel Spaß zu machen. Gottseidank bin ich schon älter 😂

  • Antworten
    Stella, oh, Stella
    16. August 2020 at 16:42

    Das ist eine derartige Schweinerei, aber wenigstens haben sie es hier draussen im Freien gemacht, so dass man nicht das gesamte Mobiliar auswechseln muss. Diese Freunde wären bei mir jedenfalls komplett unterdurch gewesen. Das mit dem Anbinden ist ja direkt Freiheitsberaubung. Diese so genannten Freunde sollte man hinterher sehr herzlich und fest umarmen …