Meermond
Leben in Dänemark

Aufgrund der Herkunft angepöbelt

„Die Dänen haben ein Problem mit den Deutschen“, so warnte man mich vor unserem Umzug.
Deutschland hat Dänemark während des Zweiten Weltkriegs arg zugesetzt, die dänischen Küsten sind noch immer voller Andenken aus dieser Zeit. Und die Alten erinnern sich vielleicht noch persönlich daran…
Als mein Papa im Mai zu Besuch war, saß er auf einer Bank in der Stadt. Neben ihm ein recht betagtes Ehepaar, das ihn ansprach. Da er nicht verstand, antwortete er, sie möchten doch bitte Englisch mit ihm sprechen. Auf die Nachfrage, welche Nationalität er denn habe, antwortete er „Deutsch“, worauf das Ehepaar wortlos aufstand und ging.
Ich selbst habe noch nie erlebt, dass ich wegen meiner Nationalität schief angeguckt, ausgegrenzt oder gar gemieden wurde. Nie wurde ich deswegen blöde angepöbelt. Immer wurde ich mit größtmöglicher Höflichkeit und Respekt behandelt.
Bis heute.
Auf einem Spezialitätenmarkt boten Händler verschiedener Länder ihre Waren in Aalborg an. Darunter auch ein deutscher Würstchengrill, hinter selbigem ein paar auffallend laute Männer herumalberten. Seine plump-freche Anmache blockte ich mit einer schnippischen Bemerkung ab, dass sich echte deutsche Männer so nicht benähmen.
Das relativ kurze Gespräch zwischen uns endete mit der Frechheit, dass ich als Bayerin sowieso eine Dunkeldeutsche sei und aus eben Dunkeldeutschland käme.
Das Gespräch mit diesem dämlichen Fischkopp war für mich umgehend beendet, mein Abschiedsgruß ziemlich herb. Ja hawedere!

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20 Kommentare

  • Antworten
    puenktchenundwortgestoeber
    18. Juni 2016 at 11:26

    Oi weh, da hast Du also auch diese Erfahrung machen müssen. Man fühlt sich besch… eiden..
    Ich kenne das gut. Früher als ich ein kleines Mädchen war, hatte man in den Niederlanden dieses Problem. ich war etwa so alt wie die Zwillinge , hörte das und es gab , wie Du Dir denken kannst Tränen, Von Krieg und dem was damals passiert ist, wusste ich damals natürlich nichts und konnte nicht verstehen, das man ein kleines Mädchen das nichts getan hatte, so beschimpfte..
    War eben damals so.. heute sind die „Einschüsse“ näher gerückt… die braune Vergangenheit dieses Landes vorgehalten zu bekommen, das erlebe ich heute hier in diesem Land mindestens 3-4 mal im Monat. Von Personen, die gar nicht wissen, was sie eigentlich sagen, viel zu jung sind, die wenig Bildung oder richtig Probleme mit deutscher oder englischer Sprache haben… Ob man das mag? Weghören so lange es geht…Sonst hilft nur die Polizei..
    Das in Dänemark auch noch solche Ressentiments vorhanden sind, hätte ich nicht gedacht, muss man aber wohl mit rechnen.
    Schönes Wochenende
    LG Wortgestoeber

  • Antworten
    Stella, oh, Stella
    17. Juni 2016 at 22:24

    Eigentlich war es ja unsere Grosselterngeneration im 2. Weltkrieg. Meine Eltern waren Teenager als das losging.
    Den Ausdruck „Dunkeldeutsche“ habe ich noch nie gehört.

    • Antworten
      Meermond
      17. Juni 2016 at 22:33

      Dunkeldeutschland wird überwiegend im mündlichen Sprachgebrauch verwendet und ist eine sehr abwertende Aussage. Der Begriff fällt auch im Zusammenhang mit zunehmenden Rechtsradikalismus. Man drückt damit mehr als deutlich seine Verachtung über gewisse Regionen aus…

      • Antworten
        Stella, oh, Stella
        17. Juni 2016 at 23:05

        Vielleicht bin ich schon zulange aus Deutschland weg. All den Scheiss bekomme ich nicht mit. Meine besten Freunde sind entweder Deutsche, die im Ausland leben oder Ausländer, die in Deutschland und Dänemark leben. Schon witzig.

  • Antworten
    etoilefilante22
    17. Juni 2016 at 22:24

    Ich war erfreut hier in der Bretagne keinerlei animositäten gegen ausländer anzutreffen. Fremde, die übers meer oder übers land gekommen sind, gab es hier schon immer 🙂
    Dass ältere menschen zum teil nicht vergessen und damit nicht vergeben können, kann ich aus ihrer sicht verstehen, auch wenn ich es sehr schade finde. In den frühen 60iger jahren haben wir bei reisen in holland immer kleine schwiezerfähnchen am rucksack mitgeführt, denn die deutschen waren dort damals gar nicht beliebt…. Lang ist’s her 🙂
    bisous breton

    • Antworten
      Meermond
      17. Juni 2016 at 22:35

      Gottlob ist das lange her!
      Wie grüße ich eigentlich richtig zurück? Bisous Nordjütland?
      (War ein Lateiner am Gymnasium…)

      • Antworten
        etoilefilante22
        18. Juni 2016 at 0:48

        ich kenne ja den nordjütländischen ausdruck für kleine küsschen nicht *grins* und wahrscheinlich würde da das land den küsschen vorangestellt 🙂

        • Antworten
          Meermond
          18. Juni 2016 at 21:09

          Auf Dänisch ja, aber wie grüße ich auf Französisch zurück?

          • etoilefilante22
            18. Juni 2016 at 21:28

            wie wär’s mit : Bisous Nordjutlandais ?

          • Meermond
            18. Juni 2016 at 23:02

            Klingt sehr schick!
            Bayerisches Busserl aus Nordjütland 🙂

  • Antworten
    Stella, oh, Stella
    17. Juni 2016 at 21:50

    Ohweh, ich bin auch ein Fischkopp, glücklicherweise kein dämlicher, hoffe ich! In Dänemark ist man generell nicht sehr ausländerfreundlich. Speziell schlechte Behandlung wegen Deutschseins habe ich nicht erlebt, aber blöde Behandlung wegen Ausländerseins, hauptsächlich bei der Jobsuche. (Ich habe einmal ein Absageschreiben bekommen, in welchem mir erklärt wurde, dass in dem gesuchten Job einwandfreies Dänisch unbedingt notwendig sei. Der Brief enthielt drei Schreibfehler.) Die einzig guten Ausländer in Dänemark sind die Touristen, die lassen ihr Geld da und fahren dann wieder nach Hause! 😉

    • Antworten
      Meermond
      17. Juni 2016 at 21:54

      Nein, du bist kein dämlicher Fischkopp 🙂
      Das war ein Tölpel und das ist überregional, aber für meinen Blogartikel muss ich doch ein bisschen patriotisch-bayerische Stellung beziehen, nicht wahr? 😉
      Mir ist das schon öfter zugeraunt worden. Schade.

  • Antworten
    kinder unlimited
    17. Juni 2016 at 21:45

    Sie haben sich zwar daneben benommen, aber Du hast das Thema auf den Tisch gebracht und sie beleidigt (nach ihren Vorstellungen). Das würde ich nicht so eng sehen…sie hätten Dich sonst anders angepöbelt 😉
    Ich denke, in der Generation Deiner Eltern existiert das Problem noch und nicht nur in Dänemark. Es ist für die Generation einfach noch zu nah. Alle Generationen danach gehen lockerer miteinander um, so ist es zumindest meine Erfahrung!

    • Antworten
      Meermond
      17. Juni 2016 at 21:50

      Ich sehe es nicht zu eng, keine Sorge, aber der meinte das mit seinem Gemecker auf Bayern ziemlich ernst. Das war kein Geschäkere mehr. Und das fand ich schon etwas daneben…
      Ja, ich glaube auch, dass das ein Problem unserer Eltern ist. Schade.

      • Antworten
        kinder unlimited
        17. Juni 2016 at 21:56

        Naja….daran war Deutschland ja nicht gerade …..aber wenn es finanziell eng wird und man sich benachteiligt fühlt, wird so mancher nationalistisch, vielleicht war das deren Problem! 🙁

        • Antworten
          Meermond
          17. Juni 2016 at 21:59

          Vielleicht.
          Vielleicht war ihm aber auch einfach nur übel ob seiner fettigen Würstchen. Sollte mal besser bayerische Bratwürste, Kraut und Brezen anbieten, die sind bekömmlicher 😉

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