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Insidertipps Sjælland

Roskilde Domkirke – wo Harald Blauzahn auf Undercut trifft

Als wir an einem kühlen Dezembernachmittag die angenehm warme Kathedrale in Roskilde betreten, rutscht einem meiner kleinen Jungs ein lang gezogenenes „Boooooah!“ angesichts der ihn umgebenden Pracht heraus. Die große Frau mit Undercut und abstehendem Borstenpferdeschwanz, die gleichzeitig mit uns die Eingangshalle betreten hat, beugt sich zu ihm herunter und zwinkert ihm verschwörerisch zu. „Ja, da hast du Recht, die Kirche ist wirklich Boah!“ Sie streicht vorsichtig über seinen Kopf. Dann greift sie nach einem Buch auf dem Eingangsthresen, klemmt es sich unter den Arm und geht mit großen Schritten auf eine der Seitenkapellen zu. Erst da bemerke ich, dass sie in einem langen Priestergewand mit weißem Kragen steckt. 

Der Dom im dunklen Dezemberlicht. 

Weltkulturerbe Domkirche in Roskilde

Wir befinden uns im ersten gotischen Backsteindom Skandinaviens, unter dessen hohen Bögen man auf die Geschichte Dänemarks seit Harald Blauzahn (~910 – 987) trifft.  
Was vielleicht beim ersten Lesen trocken klingen mag, entpuppt sich für uns als farbenprächtige Reise durch die Zeit.

Auf der ganzen Erde erzählen uns wundersame Orte die Geschichte der Menschheit. Über tausend geschützte Stätten stehen heute auf der Liste des UNESCO Weltkulturerbes und seit 1995 auch der Dom in Roskilde auf Sjælland.

Die 1280 fertiggestellte Kirche gilt als eines der bedeutendsten Bauwerke in Dänemark und ist zugleich der traditionelle Begräbnisort des dänischen Königshauses. Ein Besuch der Domkirke ist für jeden, der Dänemark richtig kennen und verstehen lernen möchte, ein Muss. 

Bildquelle: Wikipedia. Weitere Angaben unter *.  

Die Geschichte der Domkirche 

Die Anfänge der Kirche liegen im Jahr 985 n. Chr, als Harald Blauzahn auf dem Hügel von Roskilde eine Kirche errichtet. Von dieser ist heute nichts mehr vorhanden, doch befindet sich der Dom an selber Stelle. 

Unter den schlanken Turmspitzen liegen inzwischen 39 Könige begraben, so auch jener Harald Blauzahn, der als erster das Land Dänemark unter einer Krone einen konnte. 

Die derzeit regierende Königin Margrethe II wird dort ebenfalls ihre ewige Ruhe finden. Ihr Grabmal ist schon aufgestellt. 

Die Kirche im Wandel der Zeit 

An der Kasse erhalten die Kinder eine Rätselaufgabe, die uns alle spielerisch durch die Kathedrale führt. Es gilt besondere Sehenswürdigkeiten zu finden, die kurz und kinderfreundlich erklärt werden. Aus Bequemlichkeit entscheiden wir uns für ein deutschsprachiges Exemplar. Wir staunen über prachtvolle Malereien, riesige Bögen und imposante Grabmale im Wandel der Zeit. Wir finden alles von Romanik über Gotik bis hin zu 29 Millionen Kronen teurer Glaskunst. Unseren Rundgang begleitet der glockenklare Gesang der Priesterin, die gemeinsam mit Gläubigen eine kleine Andacht abhält.   

Grabplatten deuten auf weitere Gräber hin.

Im Kirchengebäude vereinen sich Baukunst und Kunstgeschmack von inzwischen fast 850 Jahren. So unterschiedlich wie die Menschen selbst, so unterschiedlich sind ihre Grabmäler. 

Grab der Margrethe I (1353 – 1412) , rechts oben Harald Blauzahn (~910 – 987). 
Blick auf den gotischen Chor

Wir staunen nicht schlecht, als wir in der von Christian I erbauten Kapelle Helligtrekongers Kapel vor der Königssäule stehen. In dieser Marmorsäule veranschaulichen Einkerbungen die Körpergröße einzelner Mitglieder des dänischen Königshauses. Wir beschließen, dass offenbar nicht Peter, sondern Christian I von Dänemark „der Große“ war. Mit seinen stattlichen 2,19 m musste er seinen Zeitgenossen damals als Riese erschienen sein! Selbst die derzeit regierende Königin liegt jenseits des Gardemaßes von 1,80 m.  

Christian I – Kapelle mit der Königssäule  

Wir entdecken ritterliche Holzkisten, staunen über schlichten, grauen Marmor, stehen in bunten Tempeln, finden prachtvoll geschmückte Gräber, die an Heiligenschreine erinnern, und zuletzt einen bunten Klotz. 

Hier verbirgt sich der Sarkophag von Margrethe II.

Grabstätte Margrethe II 

Die Enttäuschung der Kinder ist groß, als sich das im Vorfeld angekündigte Grabmal der derzeitigen Königin von Dänemark als unförmiger Kunststoffberg entpuppt. Unter jener Abdeckung befindet sich ein gläserner Sarkophag, an dessen Entwurf Margrethe zusammen mit dem Künstler Bjørn Nørgaard gearbeitet hat. Sie entschied sich für ein sehr ➡ unkonventionelles Modell , das man bis dato nur als Minitatur im Chor der Kirche bewundern kann: 

Modell: Sarkophag von Margrethe II 

Entgegen der Planung hat sich der dieses Jahr verstorbene Prins Henrik dagegen ausgesprochen, gemeinsam mit seiner Frau dort begraben zu werden. Der Umriss des männlichen Körpers wird also lediglich Symbolcharakter haben. 

Leider schließt der Dom bereits um 16 Uhr, sodass wir zu früh in die Dezemberkälte zurück müssen. Ein letztes Mal blicken wir zur alten Uhr mit den mechanischen Figuren hoch, deren feiner Glockenschlag uns wieder in unsere Zeit schickt.   



Weitere Informationen:

Kinder unter 18 Jahren zahlen keinen Eintritt, Erwachsene 60 kr. Infos zu Öffnungszeiten findest du hier

*  Ergänzende Angaben zur Bildquelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/d9/Roskilde_Cathedral_aerial_crop.jpg.  
Angaben zu Bildrechten: This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license.




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7 Kommentare

  • Antworten
    freiedenkerin
    22. Dezember 2018 at 22:45

    Was für eine Pracht, was für ein beeindruckendes Bauwerk!
    Tausend Dank für’s virtuelle Mitnehmen auf diese Tour.

  • Antworten
    Gabbo
    21. Dezember 2018 at 8:39

    Ich liebe diesen Dom und wir haben dort die Namen für unsere Kinder gefunden: Frederick und Anna-Amalia

    • Antworten
      Meermond
      21. Dezember 2018 at 9:49

      Oh, das ist aber eine schöne Geschichte 😍!

  • Antworten
    Erika
    21. Dezember 2018 at 8:28

    Das ist ja – booa – ein sehr beeindruckender Anblick. Rosklide muss auf meine Liste. Ja, den Harald Blauzahn kennt jeder ja nur vom Bluetooth-Zeichen.
    @Stella, ich weiß das auch nicht 😉
    Nur noch heute arbeiten und dann 5 Tage feiern 😁
    Eine schöne gemütliche Weihnachtszeit für alle 🎅🤶🌲
    Liebe Grüße, Erika

    • Antworten
      Meermond
      21. Dezember 2018 at 8:39

      Unbedingt angucken, wenn du die Möglichkeit dazu hast 🤗
      Ein Undercut ist eine Frisur: man schert Seiten und Hinterkopf ganz kurz, das Deckhaar bleibt lang. Die Priesterin sah ziemlich pfiffig aaus damit!
      Ich wünsche dir und deinen Lieben auch ein wundervolles Weihnachtsfest 🎄✴️

  • Antworten
    Stella, oh, Stella
    21. Dezember 2018 at 0:14

    Das eine recht beeindruckende Domkirche. Entschuldige meine Ignoranz, aber was ist denn ein Undercut???

    • Antworten
      Meermond
      21. Dezember 2018 at 8:34

      Ein Undercut ist eine Frisur, bei der die Seiten und der Hinterkopf hochreichend und raspelkurz geschoren werden. Das Deckhaar wird länger gelassen. Im Falle der Priesterin war es so lang, dass sie einen Borstenpinsel binden konnte, der frech nach hinten abstand. 🙂

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