Meermond
Nordjütland

Fellen – das (Skandal-) Haus im Meer vor Gammel Skagen

Vermutlich hat Carsten Kastrup den Abrissbescheid schon zugestellt bekommen. Am 5. Januar 2019 wurde dessen zu erwartendes Eintreffen in der Zeitung für die „nächste Woche“ angekündigt. Zwar kann gegen ihn gerichtlich vorgegangen werden, aber ist der Kampf um das berühmteste Sommerhaus Gammel Skagens wirklich noch zu gewinnen?

Fellen – ein Symbol des Reichtums

Das Haus, vor dem einst liegende Sanddünen zur Verbesserung der Aussicht abgetragen wurden, thront inzwischen einsam vor einem Ferienhausviertel, in dem blasierter Reichtum in mit Reet gedeckten Häusern urlaubt. Mittels maximal erlaubten Geschwindigkeiten von 20km/h, massiven Parkverboten und gesperrten Wegen versucht sich die High Snobiety von der gewöhnlichen Welt abzuschotten. Ferrari, Maserati und Porsche sind die Marken, mit denen man vor dem Hotel des ➡ „Königs von Gammel Skagen“ vorfährt.

Der mondänste Weg in Gammel Skagen ist aber der Rævehulevej, an dessen Ende das Symbol für den steten Wunsch der Superreichen, über dem gewöhnlichen Volk und dessen Gesetzen zu stehen, thront. Der Weg ist gesperrt, ihn zu betreten ist nicht erwünscht und wird mindestens mit wütenden Blicken der anwohnenden Mærsk-Tochter Kirsten Olufsen bestraft.

Fellen – ein Symbol des Reichtums

Der Weg durch das Dünengebiet vom öffentlichen Strandparkplatz aus ist allerdings deutlich sichtbar ausgetreten 😉 .

Fellen – eine (un-)endliche Geschichte?

Als das Sommerhaus Fellen 2009 für 4,3 Millionen Kronen (ca. 580.000€) seinen Besitzer wechselte, hatte der noch keine Ahnung davon, welcher Krieg auf ihn warten würde. Der Plan des Fabrikbesitzers Carsten Kastrup aus Holstebro ist es, auf seinem Grund ein modernes Ferienhaus mit unübertrefflicher Aussicht zu bauen. Sein Problem ist, dass das Meer sich nur wenig von menschlicher Überheblichkeit beeindrucken lässt.

Fellens Terrasse mit Aussicht

Zum Zeitpunkt des Kaufes hatte die Kommune eine Sicherung der Küste inclusive des Abschnittes beim Haus geplant, dann aber Fellen aus mir nicht bekannten Gründen davon ausgenommen. Also begann Kastrup damit, die Küste mit Steinen und Sandsäcken eigenmächtig abzusichern. Und damit begann ein Rechtsstreit mit der Küstenverwaltung, der bis heute noch nicht wirklich beendet ist und inzwischen Unsummen von Kronen verschlungen hat. Alleine die Bußgelder für die unrechtmäßig aufgestapelten Sandsäcke beliefen sich auf 50.000 Kronen Einmalstrafe und weitere 5000 kr pro Monat bis zu deren Entfernung! Kastrup versucht, sein im Winter 2016 schwer beschädigtes Eigentum – ➡ hier findet man aussagekräftige Fotos – zu erhalten. Er will sich eine Baugenehmigung für ein Haus auf dem hinter der Ruine liegenden Grund erkämpfen und versucht mit jedem Mittel, das Ende von Fellen hinaus zu zögern.

Das Meer naht unaufhaltsam – Kampf um Erhaltung einer Ruine.

Der Kampf um das berühmteste Haus in Gammel Skagen ist noch nicht zu Ende und Kastrup nimmt sein inzwischen zugesprochenes Recht, den in den Rævehulevej gewehten Flugsand zur Aufschüttung zu verwenden, fleißig wahr.

Küstensicherung bei Gammel Skagen

Es sei nicht gewollt, dass Fellen quasi als umspülte Insel vor Gammel Skagen throne und genau deshalb sei man gegen die ungenehmigte Küstensicherung durch Kastrup gerichtlich vorgegangen. Ich frage mich allerdings, warum man die zum Zeitpunkt des Kaufs bestehenden Küstensicherungspläne überhaupt widerrufen hat und dann weitere zehn Jahre mit dem Beginn gewartet hat.

Gammel Skagen – Küstensicherung seit 2018

Im Herbst 2018 begann man endlich mit Maßnahmen zur Sicherung der Küste, doch für Fellen wird es vermutlich zu spät sein. Es wundert mich, dass das Haus mit seinen tiefen Rissen und den heraushängenden Badfliesen überhaupt noch dem nordjütischen Wind trotzen kann!

Aus der Ruine hängt ein Teil eines Fliesenmosaiks heraus.
Man kann um das Gebäude herum gehen.

Fellens Zukunft ist ungewiss

Obwohl ich in den Medien schon gelesen hatte, es sei unverantwortlich, welcher Gefahr Kastrup die Menschen willentlich aussetze und er mit einem herablassenden „Die sind selbst schuld, wenn sie unerlaubt mein Eigentum betreten“ zitiert wird, entdecken wir bei unserer Erkundung Schutzzäune, Absicherungen und Verbretterungen.

Die Schuld an dem Drama vor Gammel Skagens Küste schiebe ich nicht nur einem reichen Industriellen in die Schuhe, sondern sowohl den Vorbesitzern als auch der Verwaltung. Ich bin mir sicher, der inzwischen wohl Pleite gegangene IT Milliardär und seine wegen Zuhälterei verurteilte Partnerin (Quelle: hier) reiben sich die Hände, ihr zum Untergang verurteiltes Sommerhaus Fellen rechtzeitig los geworden zu sein.

Ich bin gespannt, wie und ob das Drama um das Skandalhaus im Meer vor Gammel Skagen weiter gehen wird.

Jedenfalls durfte ich gestern endlich das Foto knipsen, das meiner Meinung nach das spektakulärste Motiv Nordjütlands zeigt:

Fellen – das Skandalhaus im Meer.

Fellen – das Skandalhaus im Meer

Herzlichst, eure

Anhang: Wer ein Plus-Abonnement der Nordjyske hat, der kann hier richtig tolle Luftaufnahmen sehen:

https://nordjyske.dk/plus/efter-aarelang-tilrettelaegning-kystsikring-igangsat-i-gl-skagen/398765e8-e492-4087-8c57-33ce8ed5276a

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21 Kommentare

  • Antworten
    MichA
    29. Juli 2020 at 13:33

    Vielen Dank. Ich wollte nicht stressen oder euch Arbeit damit machen. Aber ich finde es prima, dass ihr diesen Blog hier macht. Dankeschön. Und Grüße an die Kleinen. – Unsere sind gerade im Kindergarten. ☺️

  • Antworten
    MichA
    29. Juli 2020 at 12:00

    Wenn man hier: https://www.skagensavis.dk/2019/06/20/laeserbrev-saebeoperaen-i-gl-skagen-vil-koste-mere-end-50-mio-kr.html
    dem zweiten Kommentar zu dem Leserbrief glaubt (von Poul Jakobsen), dann wurde schon einmal über 18 Tage lang Sand zur Strandbefestigung angehäuft, der daraufhin innerhalb von 4 Tagen wieder im Meer verschwand…
    Auch 1100 Bäumchen um das Ganze nachhaltig zu festigen wurden gepflanzt:
    https://www.skagensavis.dk/2018/12/25/1100-stk-bjergfyr-toppe-plantet-paa-stranden.html
    Davon ist nichts mehr zu sehen…
    In den 90ern wurde der Hang durch Schüttungen von Handteller großen Steinen stabilisiert. – Diese Steine mischen sich jetzt mit dem eigentlichen Sandstrand:
    https://www.skagensavis.dk/2018/12/25/1100-stk-bjergfyr-toppe-plantet-paa-stranden.html
    Wenn der Hauseigentümer (Carsten Kastrup) nicht eigenmächtig gehandelt hätte, wäre ganz einfach das passiert:
    http://www.shore.dk/Trykudligningsprojekt%20Gl.%20Skagen.pdf
    (Bild unten auf Seite 7).
    Irgendwie kann ich ihm da keinen Vorwurf machen…

    • Antworten
      Meermond
      29. Juli 2020 at 12:30

      Aus menschlichen Gründen kann ich den verzweifelten Kampf um das Haus durchaus nachvollziehen. Aber als Gast im Land möchte ich mich in einem öffentlich einsehbaren Blog lieber diplomatisch zu der ganzen Sache äußern.
      Ich verspreche dir, mich zu informieren und den Artikel zu ergänzen mit dem Was und Wo und Wie es weitergeht mit Fellen. Aber im Moment sind Schulferien und ich bin ziemlich beschäftigt mit meinen kleinen Kindern.
      Danke für deine Unterstützung, deine Links helfen mir dabei sehr 🤗

  • Antworten
    MichA
    29. Juli 2020 at 11:27

    Es handelt sich um eine Tafel auf dem das Haus selbst abgebildet ist und ein Text darunter steht. Auf dem Foto im Internet (ich kann den Link nicht finden, hab es aber heruntergeladen und mail es dir) kann man die Schrift leider nicht erkennen.

    • Antworten
      Meermond
      29. Juli 2020 at 11:30

      Tak 🤗

    • Antworten
      Meermond
      29. Juli 2020 at 11:44

      Ich hörte mal, es stehe zum Verkauf. Vielleicht ist es das Schild des Maklers 🙃

  • Antworten
    MichA
    28. Juli 2020 at 23:44

    Auch interessant: Eine Ausnahmegenehmigung vom April diesen Jahres:
    https://kyst.dk/media/84407/18-02323-dispensation-til-terraenaendring-samt-koersel-og-gravearbejde.pdf
    Der Weg zum Haus darf derart instand gesetzt werden, dass Autos darauf fahren können (auch aus Gründen der Rettungsrouten) und der dadurch anfallende Sand darf um das Haus aufgeschüttet werden. – Aber nicht höher oder mehr als 2007 festgestellt wurde. (Ausgangswert.) Und dann soll das Ganze schnell bepflanzt werden?! – Das verstehe ich nicht wirklich. – Ist das eine weitere Verhöhnung? Wenn das Wasser einen Teil aus dem Gebäude reißen kann und die Dünen 2m im Jahr abträgt, was soll dann etwas Sand um das Haus nützen?

    • Antworten
      Meermond
      29. Juli 2020 at 11:29

      Sandaufschüttungen sind eine durchaus übliche Methode des Küstenschutzes. Zum Beispiel wird nördlich der Mole von Løkken nur Sand aufgeschüttet, ein paar Kilometer weiter wird eine natürliche Küstenbefestigung (Nr Lyngby) vorgenommen und wieder etwas weiter davon in Lønstrup via Buhnen/Granitsteine. Das Küstendirektorat muss sämtliche Maßnahmen sorgfältig planen, da Veränderungen an einer Stelle der Küste teilweise tragische Konsequenzen an anderer Stelle mit sich bringen. Eine Verhöhnung liegt daher sicherlich nicht vor. Fakt ist, dass der Hauseigentümer seit Jahren um sein Haus kämpft (verständlicherweise) und tatsächlich auch zu unerlaubten Maßnahmen gegriffen hat. Er war vielleicht der Ansicht, dass man sich mit Geld alles erlauben darf.
      🤷‍♀️

  • Antworten
    MichA
    28. Juli 2020 at 17:07

    Falls ihr nochmal dort vorbei kommt: Was steht denn auf dem Schild das jetzt an der Hauswand angebracht wurde?
    Die Bretter sind jetzt weg und das Haus wurde wieder instandgesetzt: https://www.facebook.com/sumabyg/posts/genopbygning-af-gavl-af-fellen-i-skagen-smuk-udsigt-/534440723729880/

    • Antworten
      Meermond
      29. Juli 2020 at 11:22

      Lieber Micha, schick mir doch ein Foto des Schildes, ich habe derzeit keine Zeit, um nach Skagen zu fahren. Der Artikel ist daher bereits etwas älter.

  • Antworten
    Auf in ein neues Jahr bei Meermond! - Rückblick und Ausblick
    30. Dezember 2019 at 23:06

    […] Fellen, das (Skandal-)Haus im Meer […]

  • Antworten
    Frau F
    16. Januar 2019 at 18:00

    Ich habe dieses Haus seit mehreren Jahren beobachtet. Wir fahren jährlich nach GL Skagen und wohnen auch in der Nähe. Das Haus war 2007-2011 noch richtig bewohnt, als Ferienhaus natürlich. Es gab Parties auf der Terrasse, ein Auto stand daneben.

    • Antworten
      Meermond
      16. Januar 2019 at 20:34

      Liebe Frau F, ich bin sicher, dass das schöne Partys gewesen sein müssen! Eine andere Leserin schickte mir ein Foto zu, das das Haus vor 20 Jahren zeigte. Eigentlich schon sehr hübsch.
      Tragisch, was sich aus den Partys bis heute entwickelt hat…
      Venlige hilsner 🙋‍♀️

  • Antworten
    Veronika
    14. Januar 2019 at 20:00

    Wow, was für eine Geschichte. Dann habe ich ja auch noch Fotos mit höchster Brisanz, hihhiii. Wir sind von Gammel Skagen am Meer entlang bis kurz vors Haus gelaufen, dann wurde es mir etwas zu gruselig.

    Es ist ja schon erstaunlich, dass selbst in einer Region wie Nordjütland Mensch immer noch glaubt, größer, klüger, mächtiger….. zu sein als die Natur selbst. Ich bin auch auf die Fortsetzung der Geschichte gespannt.

    Danke für die tollen Informationen, die bekommt man ja als normaler Urlauber nicht.

    Liebe Grüße von unserer weißen Pracht
    Veronika vom Bodensee

    • Antworten
      Meermond
      15. Januar 2019 at 21:08

      Liebe Veronika, ich danke dir für deine netten Worte. Mein Blog ist nicht nur mein Hobby, sondern auch eine Art Zeitung für all diejenigen, die auch mal hinter simple Ferienprospekte gucken wollen.
      Grüße zurück, hier ist noch immer alles Grün und Braun draußen 🤔

  • Antworten
    Stella, oh, Stella
    14. Januar 2019 at 17:39

    An dem Haus sind wir auch schon vorbeigekommen und haben die Sandsäcke gesehen. Wenn ich deinen Beitrag lese, kommt in mir der Gedanke auf, dass die Kommune das Haus da weg haben will, und auch kein neues da haben will. Verschandelt vielleicht die Küste???? Oder janteloven? Die Art und Weise, wie sie das handhaben, ist allerdings merkwürdig.

    • Antworten
      Meermond
      14. Januar 2019 at 18:01

      Ich meine, aus dem Artikel der Berlinske (Kongen af Gammel Skagen) eine gewisse Abneigung gegen Reiche heraus gelesen zu haben. Allerdings ist mein Dänisch nicht so gut, um auch die Zwischentöne aufzunehmen. Ich könnte also nur Vermutungen anstellen. Merkwürdig ist das Ganze schon. Ich vermute einen Sturschädel auf den Schultern aller Beteiligten 🤗

  • Antworten
    Meermond
    14. Januar 2019 at 16:53

    Ich versuche, dieses Video im Beitrag einzubetten, allerdings will WordPress gerade nicht so wie ich will.
    Hier daher erst einmal der Link zu einem richtig irren Video vom Sturm Urd, der Fellen im Dezember 2016 arg beschädigt hat:

    Vielen Dank an die Leserin happy_lila, die mir das zukommen ließ.

    • Antworten
      Sabine
      14. Januar 2019 at 18:19

      Toller Beitrag 👏 Habe das Haus 2015 nur aus der Ferne gesehen und kannte bis dato nicht die ganze Geschichte dazu. Vielen Dank für diesen eindrucksvollen Bericht 😍 Glücklicherweise hab ich heute Morgen auf Insta das Bild gesehen und mich dann an das Video erinnert. Ich werde im Sommer mal die Gegend um das Haus genauer erkunden. …hoffentlich steht es dann noch!

      • Antworten
        Meermond
        15. Januar 2019 at 21:05

        Danke dir 🤗 Sollte das Haus nicht mehr stehen, wirst du es mit Sicherheit von mir erfahren. Danke nochmal