Meermond
Mitteljütland

Mønsted Kalkgruber – die größte Kalkgrube der Welt

Unterirdische Gänge. Schwarze Stille. Geheimnisvolle Entdeckungen. Magische Welten mit rauschenden Bächen und glasklaren Seen. Genau das war es, was wir in der größten Kalkgrube der Welt zu finden erhofft hatten. Und wirklich fanden. Der Ausflug in die Mønsted Kalkgruber bei Viborg in Mitteljütland gehört zu den Erlebnissen, die wir wohl nicht mehr vergessen werden. Denn in den ehemaligen Grubengängen der Kalkmine verbirgt sich eine Schönheit, die man wohl eher nicht kennt.

Und damit meine ich nicht nur die optische.

Etwa 2 km von insgesamt 60 km sind beleuchtet.

Velkommen til Mønsted Kalkgruber

Obwohl nur zwei Kilometer der Minengänge beleuchtet sind, kann man einen Eindruck davon bekommen, wie gewaltig die Mønsted Kalkgruber wirklich sind. Insgesamt schlugen die Minenarbeiter auf sechs Etagen stolze 60 Kilometer in das Gestein. Einige der Gänge sind so hoch wie Kirchengewölbe, andere dagegen so niedrig, dass man sich als Erwachsener nicht aufrichten kann.

Familie mit Kinderwagen – die Mønsted Kalkgruber sind für alle Besucher zugänglich.

Die Mine kann von allen besucht werden. Im Eingangbereich stehen Rollstühle zum Verleih bereit und der Hauptweg ist gut befestigt. Wer etwas agiler ist, der sollte an gutes Schuhwerk, Taschenlampen und besonders an Kleidung denken, die schmutzig werden darf. Denn in der Mine ist es erlaubt, den Hauptweg zu verlassen und auch in unbeleuchtete Ecken zu kriechen. Doch keine Angst, überall sind Notausgangsschilder und Pläne angebracht. Nie hat man das Gefühl, komplett verloren zu gehen.

Man darf auch abseits des Hauptweges auf Entdeckungsreise gehen.
Breite Stege führen über überschwemmte Regionen.

„Hugger og bærere“

Der Kalk der Mønsted Kalkgruber stammt aus derselben erdgeschichtlichen Periode wie der, den man beim ➡ Bulbjerg und bei Stevens Klint vorfindet. Vor etwa 250 Mio Jahren waren das heutige Nord- und Mitteljüland von einem Meer bedeckt. Damals war es sehr warm und trocken, sodass sich eine kilometerdicke Salzschicht am Boden ablagern konnte. Nachfolgende geologische Prozesse führten schließlich dazu, dass sich auf einem Salzdiapir (Salzstock in Form eines umgekehrten Tropfen) sowohl Kreide als auch der sogenannte Danienkalk ablagern konnte. Normalerweise liegt dieser Kalk wesentlich tiefer, doch genau an dieser Stelle wird er durch das Salz in für die Menschen erreichbaren Schichten gehalten.

Seit 1997 sind die Mønsted Kalkgruber als Touristenattraktion zugänglich.

Der Abbau von Kalk hatte in der Region bereits vor 1000 Jahren begonnen. Sogenannte hugger (Hacker) schlugen das Material anfangs im Tagebau, später dann im Minenbau lose. Die bærere (Träger) trugen die großen Kalkstücke zum Brennofen bzw. später an die Oberfläche. Der Abraum blieb als Plattform liegen, auf die sich die Arbeiter stellten. Während die Hauer so immer höher werdende Gänge freischlagen konnten, mussten sich die Träger immer mehr bücken, um auf den enger werdenden Pfaden nach draußen zu gelangen.

Alles Handarbeit!

Man mag es kaum glauben, aber erst nach einem Besuch durch König Frederik VI im Jahre 1826 wurde der Kalkabbau durch Hebewerke und Wägen modernisiert. 1956 wurde der Abbau schließlich eingestellt.

Der Informationsfilm im unterirdischen Kino ist mit englischen und deutschen Untertiteln versehen.

Im Kalkwerk ist heute ein Museum untergebracht, das Einblicke in die Weiterverarbeitung und in die Geschichte erlaubt. Darüber hinaus hat man die Möglichkeit, sich über die Bewohner der Kalkmine zu informieren: Fledermäuse.

Im Kalkwerk befindet sich heute ein Museum.
Kalk ist ein vielseitig verwendbares Baumaterial.

Im Reich der Sinne

Unter der Erde ist es ganzjährig kühl (8° C) und feucht, weswegen es ratsam ist, auch im Hochsommer zur Daunenjacke zu greifen. In den Minengängen verliert man das Zeitgefühl und genau das ist das Besondere! Es wäre schade, sich aufgrund unangemessener Kleidung nicht auf das Erleben einlassen zu können.

Die Minengänge laden zum Verweilen ein.

Zu oft wünschten wir uns während unseres Besuches, die Menschen würden mehr schweigen. In den Gängen hallt es und normale Gespräche können dann schnell wie Geschrei wirken. Wir verließen daher mehrmals den Hauptweg, um absolute Stille erleben zu können.

Überall plätschert glasklares Wasser, welches wir natürlich kosteten.

Kommt dazu dann noch völlige Dunkelheit, macht man als Mensch einer überwiegend lärmenden Gegenwart ganz spezielle Erfahrungen.

Im Dunkeln konnten wir plötzlich sogar den leistesten Wassertropfen aufklatschen hören. Ein leise gurgelnder Wasserlauf verwandelte sich in einen rauschenden Bach. Es eröffnete sich ein Reich der Sinne!

Und dann stand die Zeit still.

Lichtmalerei

Weitere Informationen:

Wer Lust auf intensivere Sinneseindrücke hat, der kann zum Käselager hochsteigen. In den Minengängen reift nämlich auch Höhlenkäse. Eine Kostprobe davon kann man natürlich vor Ort erwerben. Zur Anlage gehört ein Nebengebäude, in dem ein Museum untergebracht ist, das über das Leben und Arbeiten der Menschen im Zusammenhang mit der Mine informiert. Besonders beeindruckt hat uns die Geschichte des Geigers Anker Buch. Er erwarb 1981 die Mønsted Kalkgruber und gab in den Minengängen Konzerte. Er war der erste Däne, der in der New York Town Hall aufgetreten ist (1964).

Auf dem Gelände befinden sich mehrere Picknicktische, ein Café, ein kleiner Zug und ein Spielplatz. Einem schönen Familienausflug steht also nichts im Wege.

Tipp: Nimm Lampen mit verschiedenen Farben mit und zeichne Figuren in die Dunkelheit. Mit Langzeitbelichtung fotografiert entstehen zauberhafte Bilder.

Mehr Informationen findest du hier: Mønsted Kalkgruber

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6 Kommentare

  • Antworten
    Flussradler
    15. Juni 2021 at 20:20

    Das sieht ja großartig aus! Und dass man da einfach so auf 60 Kilometern im Dunkeln herumirren darf… in Deutschland eher nicht vorstellbar. Dieses Ziel muss ich mir unbedingt merken.

    • Antworten
      Meermond
      15. Juni 2021 at 22:17

      Also die kompletten 60 Kilometer kannst du vermutlich nicht durchwandern. Ich bin mir sicher, dass das Sicherheitsvorschriften eher nicht zulassen. Tatsächlich kannst du aber wirklich in Gänge hineingehen, die unbeleuchtet und eher ungesicherten Untergrund haben. Das ist schon sehr spannend!

  • Antworten
    Stella, oh, Stella
    10. Juni 2021 at 16:59

    Es ist wirklich wunderschön dort und gleichzeitig interessant, auch das Museum. Ich will auch gerne noch einmal dorthin. Als wir da waren, wohnten wir noch auf Seeland, was ja nun schon einige Jahre her ist. Ich habe den Eindruck, dass man den Zugang allgemein verbessert hat. Ich freue mich schon! Ein toller Beitrag zum Thema, liebe Marion und Alex!

    • Antworten
      Meermond
      15. Juni 2021 at 22:25

      Dich habe ich glatt übersehen! Entschuldige!
      Ich hörte von anderen, dass man zu Beginn mit Kerzen durch die Gänge gehen musste. Das mag ja genial gewesen sein. Ich persönlich hätte mich dann vermutlich nicht hineingetraut. Auf alle Fälle hat sich der Ausflug gelohnt und wir waren alle sehr begeistert. Vielleicht machen wir das wirklich noch einmal!!!

  • Antworten
    Heike Hunold
    9. Juni 2021 at 22:09

    Hört sich an wie im Fantasiealand.Toll.👍😍