Meermond
Dänemark entdecken Leben in Dänemark

Deutsche aus der Sicht der Dänen

„Ihr Deutsche mögt es korrekt, nicht?“

Das oder zumindest ähnliche Formulierungen bekomme ich immer dann zu hören, wenn ich mit Dänen über die Deutschen spreche.

Ich finde es äußerst interessant zu erforschen, welches Bild sie von den Deutschen haben. Eines vorweg, unsere Sprache finden sie durchweg grauenhaft. Jeder muss sie ab der fünften Klasse in der Schule lernen, aber richtig gerne tut das kaum einer. Zumindest bin ich in keiner Schulklasse jemandem begegnet, dem Deutsch Spaß machte. Und spricht man Erwachsene auf ihre Deutschkenntnisse an, so lachen sie meist amüsiert. Deutsch spricht man hier nicht wirklich gerne, aber die Deutschen (er)kennen sie alle. Woran?

Wie denken die Dänen über uns? Welches Bild haben unsere nordischen Nachbarn von uns Deutschen? Ich habe mich mal etwas umgehört.

[Anmerkung: Ich unterhalte mich hauptsächlich mit Bewohnern der nordjütischen Insel. Die folgenden Ausführungen sind daher subjektiv und treffen vielleicht nicht auf alle Bewohner des dänischen Königreichs zu.]

Bayern, Ostfriesen, Kölsche Jecken – sind doch alle gleich

Vor Kurzem erhielt ich eine Anfrage vom Lehrerfortbildungsinstitut, ob ich denn mit einer Gruppe Deutschlehrer über die deutsche Kultur sprechen könne. Auf meine Nachfrage, was genau man sich vorstellte, reagierte die Dame am anderen Ende der Leitung etwas unsicher. Meine Aussage, dass ich ostfriesische Teekultur und bayerisches Schuhplatteln nicht mit pfälzischem Saumagen und Berliner Schnauze in einer halben Stunde unterbringen könne, überforderte sie wohl. Und was würden bloß die Kölscher Jecken sagen, wenn ich aus Zeitmangel sogar eine komplette fünfte Jahreszeit auslassen müsste?

Deutschlandkarte mir Lupe über Berlin
Deutsche sind alle typisch deutsch!

Die Kulturvielfalt Deutschlands wird zwar in der Schule angesprochen, ist aber vielen nicht (mehr) präsent. Deutsche sind Deutsche, egal, ob sie Lederhosen tragen oder Sahnewolken in Teetassen kreieren.

Ich werde mich im Vortrag also auf eine der innerdeutschen Kulturlandschaften spezialisieren müssen und mich auf Gemeinsamkeiten mit den anderen beschränken. Wobei es doch gerade die Unterschiede sind, die Deutschland so herrlich bunt machen. Und witzig.

Aber witzig sind wir Deutschen ja auch nicht.

Die Deutschen haben einen komischen Humor

Also ganz ehrlich gesagt finde ich den dänischen Humor seltsamer. Es passiert mir auch nach fünf Jahren noch, dass ich scheinbar witzige Bemerkungen nicht kapiere. Warum nur finden es die Frauen um mich herum zum Schreien lustig, wenn ich den Kugelschreiber wieder hinlege, nachdem ich ein „Nein, den darfst du jetzt nicht ausleihen!“ zu hören bekommen habe? Bin ich einfach nur eine komplett humorlose Deutsche?

Deutsche haben einen anderen Humor als Dänen.

Dänischer Humor ist oft sarkastisch und selbstironisch. Dänen ziehen sich dabei gerne selbst ins Lächerliche. Witze über BER oder Stuttgart 21 haben durchaus dänische Züge.

Aber sich auf Kosten anderer lustig zu machen, das finden wir Deutschen eher nicht witzig. Übrigens auch andere Kulturen nicht. Unvergessen bleibt mir die Erinnerung an einen dänischen Vortrag, der für die Mitarbeiter der internationalen Abteilung simultan ins Englische übersetzt wurde.

Und dann machte der Redner einen Witz – oder so ähnlich. Aufgrund minutenlangen Gelächters musste die Übersetzerin warten. Als endlich Ruhe im Saal eingekehrt war, drehten sich die dänischen Kollegen erwartungsvoll zu uns um und grinsten sich einem weiteren Lachanfall entgegen. Doch die gesamte Abteilung nahm die Pointe reaktionslos hin. Stille. Das fand ich allerdings saukomisch. Und obwohl ich sprachlich beide Versionen verstanden hatte, rätsle ich bis heute über den Witz dieses „Witzes“.

Deutscher Humor ist anders als dänischer. Und das führt leider manchmal zu Missverständnissen.

Deutsche sind überkorrekt und planen alles

Berufsberater Rasmus brach in schallendes Gelächter aus, als er mir den Unterschied zwischen deutscher und dänischer Projektplanung erklärte: In Deutschland werde alles prozessoptimiert und extrem sorgfältig geplant, wohingegen man in Nordjütland schon mal nach dem Prinzip „Das finden wir unterwegs raus“ an die Dinge herangehen würde. Aufgrund persönlicher Umstände weiß ich nicht, ob eine derartige, nennen wir es mal flexible Projektplanung überall in Dänemark üblich ist. Hier im Norden des Landes ist es das jedenfalls oft.

Was nun vielleicht ziemlich entspannt klingt, ist für uns ab und an richtig nervig!

Mehrere Dänen in meinem Umfeld erklären sich die deutsche Eigenart, stets strukturiert vorgehen zu wollen, als Wunsch nach Sicherheit. Der Deutsche ist in ihren Augen korrekt, vertraut und liebt feste Strukturen. Und genau darum zieht er auch oft über Jahre hinaus immer wieder in das gleiche Ferienhaus!

Urlaub im Ferienhaus Frau auf Liegestuhl
Urlaub in Dänemark – gerne im gleichen Ferienhaus!

Dass gerade Nordjüter immer das gleiche Süppchen kochen wollen, ist da natürlich ganz was anderes – Hauptsache, es schwimmen genug Würstchen in der Suppe! Apropos Wurst.

Deutsche sind sparsame Wurstesser

„Pølsetysker – tysk turist, der rejser sparsommeligt og hovedsagelig lever af (medbragte) pølser.“ *

Wurstdeutscher: deutscher Tourist, der sparsam verreist und hauptsächlich von (mitgebrachten) Würsten lebt.

Wurst mit Sauerkraut
Pølsetysker – der Wurstdeutsche

Jawoll, also genau das denken die Dänen von uns. Angesichts immer noch (sic!) auftauchender Kommentare in sozialen Medien, wo man zum unbedingten Mitbringen von Lebensmitteln rät, weil alles furchtbar teuer in Dänemark sei, komme ich beinahe auf die Idee zu fragen, ob wir Deutschen diesen Eintrag im Wörterbuch selbst zu verantworten haben?

Natürlich wird im zitierten Lexikonartikel deutlich darauf hingewiesen, dass Pølsetysker herabsetzend ist.

Doch nach dem deutsch-dänischen Krieg [1864] war „Tysker“ alleine schon ein Schimpfwort. Im Wandererlager bei Dronninglund beschimpfte man damit einst sogar fahrendes Volk, obwohl die Menschen deutlich dunklere Hautfarbe gehabt haben sollen. [mehr dazu demnächst]

Sollten bis dahin die mitgebrachten Urlaubswürste ausgehen, so empfehle ich, sich in den dänischen Fleischabteilungen umzusehen. Die Mengen an Würsten sämtlicher Farbschattierungen und Geschmacksrichtungen sind unglaublich! Denn der Wurst ist auch der Pølse-Däne nicht abgeneigt 😉 .

Der Deutsche ist, was er macht und das macht er gut

Deutsche werden als zuverlässig, konservativ und fleißig eingestuft. Man schätzt sie daher als berufliche Partner. Die Angewohnheit, Überstunden oder lange Arbeitszeiten als Normalität zu akzeptieren, ist für Dänen hingegen nicht nachvollziehbar.

Mann arbeitet am Computer Meermond
Deutsche arbeiten viel.

Einer häufig genannten Ansicht nach identifizieren sich die Deutschen hauptsächlich über ihren Beruf: Sie schlagen früh einen Weg ein, absolvieren unzählige Praktika und bleiben geradlinig und firmentreu bis möglichst zum Ruhestand. Erfolg stellt sich bei abgeschlossenem Ausbildungsverlauf mit Diplom und Auszeichnungen ein. Gut beobachtet, nicht?

In Dänemark ist es hingegen nicht ungewöhnlich, die Firmen zu wechseln oder sich beruflich komplett zu verändern. Eine Lehrerin, die im Moment zu Hause sitzt und ihre Bloggerleidenschaft auslebt, wird nicht belächelt. Im Gegenteil.

Ein „Du bist, was du bist!“ spielt eher weniger eine Rolle. Und so sehe ich kaum Doktortitel auf Schildern oder Visitenkarten und sämtliche Ärzte stellen sich mir mit dem Vornamen vor. Einer „Frau Doktor“ oder einem „Herr Bundeskanzler“ – diese Beispiele sind ausschließlich im übertragenen Sinne zu verstehen – bin ich in Nordjütland noch nie begegnet.

Die Deutschen sind gute Autofahrer

Jedes Jahr, wenn sich Nachbar von seinen Ferien in Spanien zurückmeldet, schwärmt er vom Können deutscher Autofahrer. Dieser Ansicht sind übrigens viele Dänen, obwohl schon im nächsten Nebensatz auf die „furchtbaren Autobahneinfahrten“ hingewiesen wird. Die Freunde meines Sohnes, allesamt Fahranfänger um die 19 Jahre, finden deutsche Autobahnen unangenehm und ich teile ihre Ansicht.

In Dänemark gilt ein Tempolimit von 80 auf der Landstraße und 130 auf der Autobahn. Das reicht vollkommen, um von A nach B zu gelangen und reduziert den Stress beim Fahren deutlich. Den bayerischen Berufsverkehr und Münchner Autobahn Rallye noch in lebhafter Erinnerung habend, fühle ich mich auf der Straße hier manchmal wie Officer Hooks bei Police Academy 1 [ 👉 https://www.youtube.com/watch?v=OU3k_tX7KuU ].

Dänemark Auto am Strand
Dänen halten Deutsche für gute Autofahrer.

Auch wenn gerade die Nordjüter noch Nachhilfe im Vorlassen, Reinwinken in einer Ampelschlange oder simplem Nettsein-am-Steuer brauchen, so ist mein Puls hinterm Lenkrad weit niedriger als in Deutschland.

Manchmal fällt er auch komplett in den Keller, weil man hier als Linksabbieger gefühlt stundenlang an einer Straße stehen und dem Abbremsen und Anfahren von viel zu vielen Autos an der Ampel zugucken muss und wartet und wartet und wartet und …

Deutsche sind Barzahler

Vor ein paar Monaten las ich Beiträge in den Zeitungen, die sich mit der Abschaffung von Bargeld in Dänemark befassten. Man kam allerdings immer zu der Erkenntnis, dass man das in Hinblick auf die deutschen Touristen nicht tun könne. Denn während man einen dänischen Alltag problemlos ohne eine einzige Krone im Geldbeutel leben kann, wird immer wieder gefragt, wo man denn für seinen Urlaub am besten umtauschen sollte oder wo man die günstigsten Preise für die dänische Krone bekäme.

In Dänemark ist eigentlich fast überall Kartenzahlung möglich. Mir fallen jetzt lediglich Straßenverkaufsstände und die Läden von Mødrehjælpen ein, wo es nicht geht. In Skandinavien ist Visa populär, aber man kommt auch mit einer ganz normalen Maestro gut durch. Wer dennoch Bargeld möchte, der kann sich seine Kronen am Geldautomaten abheben. Eine Vorabrecherche über Bankgebühren gehört heutzutage zur Urlaubsplanung dazu. Inzwischen gibt es viele Banken, die keine Gebühren für Abbuchungen im Ausland verlangen.

Die meisten Tankstellen funktionieren ausschließlich mit Karte und haben keinen Shop dabei, in dem man bezahlen kann. Vereinzelt wird ein Einzug von Geldscheinen im Bezahlautomaten angeboten.

Deutsche haben starre Hierarchien

Dazu sage ich nur ganz knapp: stimmt.

Der Chef ist der Chef und der Chef ist nunmal Chef. Manch einer ergänzt vielleicht noch ein „Und der Chef hat immer Recht“ in Gedanken?

Wie wundervoll, dass dieses Denken in Skandinavien unüblich ist. Mir tun die Dänen leid, die unvorbereitet auf deutsche Hierarchien im Berufsleben treffen.

Obwohl man am Ende dieses Artikels beinahe zu der Erkenntnis kommen kann, dass Deutsche und Dänen total verschiedene Menschen sind, so eint sie viel mehr, als man meint. Ich habe mich in diesem Artikel natürlich auf Stereotype beschränkt und Extremaussagen wie „Tysker er rumvæsner“ (Deutsche sind Außerirdische) weggelassen.

Wir sind nämlich Europäer.

Deutsche wie Dänen.

Nur das ist wichtig und ist auch gut so.

* Quelle: https://ordnet.dk/ods/ordbog?query=p%C3%B8lsetysker


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30 Kommentare

  • Antworten
    Birte | By Addy
    30. August 2019 at 8:19

    Sehr unterhaltsam zu lesen! Ich muss hier in Schweden mal eine ähnliche Umfrage starten, glaube ich. Einiges deckt sich sicher mit der Einschätzung in Dänemark, z.B. dass die Deutschen mit Wurst anreisen (ich mag tatsächlich die deutschen Würstchen auch lieber als die schwedischen) oder wie Freunde von uns neulich mit massenweise Wein (weil der ja hier soo teuer ist).
    Übrigens finden die Schweden die dänische Sprache ganz schrecklich, das klingt ja, als hätten die beim Reden immer Kartoffelbrei im Mund 😉

    • Antworten
      Meermond
      2. September 2019 at 19:54

      Danke dir 🤗Ja bitte, frag doch mal ein bisschen rum, was die Schweden so denken. Ich finde sowas superspannend! Ganz liebe Grüße aus dem Land der Kartoffelbreisprecher 🙋‍♀️🇩🇰

  • Antworten
    Hambam66
    26. August 2019 at 22:45

    Wir reisen mittlerweile mit einer leeren Kühltasche in den Urlaub und wenn wir heimfahren ist sie bis zum Rand gefüllt. Mit Joghurt, Käse und vielem anderem.
    Aber ich habe mich erst letzte Woche wieder dafür geschämt eine Deutsche zu sein, als vor mir in der Bäckerei 2 Deutsche versucht haben der Bäckereiverkäuferin mit besonders lauter Stimme zu erklärt haben, was sie kaufen möchten. Als wäre die Verkäuferin schwerhörig weil sie nur wenig Deutsch verstanden hat.
    Wie der junge Mann im Faarup Sommerland an der Kasse der sich ganz begeistert mit uns unterhalten hat, weil wir unsere Tickets auf Dänisch bestellt haben.

    • Antworten
      Meermond
      27. August 2019 at 7:57

      Ja, solche Erlebnisse sind unangenehm. Mir erzählte ein Däne, er fände es schlichtweg unverschämt, dass manche (es tun ja nicht alle, es geht hier um Stereotypen), einfach nur Deutsch plappern und erwarten, verstanden zu werden. Die Weigerung, es doch mal mit Englisch zu versuchen, wirkt hochnäsig.
      Du brauchst dich nicht für deine Nationalität zu schämen. Schlechtes Benehmen können alle auf der Welt – anständiges aber auch alle 🤗

  • Antworten
    ErzieherIn
    21. August 2019 at 7:41

    Danke für die Einsicht zwischen den Zeilen, wie Dänen in Nordjütland ticken 😀

    • Antworten
      Meermond
      22. August 2019 at 20:37

      Die Dänen ticken schon auf ihre ganz besondere Weise 😉
      Bitte, sehr gerne!

  • Antworten
    Anhora
    20. August 2019 at 19:09

    Sehr interessant, dieser Beitrag! 🙂
    Es gibt übrigens noch mindestens ein Land, das ebenso wie Dänemark offenbar schmerzfrei Witze auf Kosten anderer macht: England. Damit komme ich bis heute nicht klar.
    Die Bemerkung mit dem Kugelschreiber könnte auch bei uns (Süddeutschland) gefallen sein, allerdings nur wenn man sich gut kennt und davon ausgehen kann, dass man nicht länger als den Bruchteil einer Sekunde ernst genommen wird. 😉
    Generell gesagt haben Menschen verschiedene Historien und Mentalitäten, deshalb kann man nicht Dasselbe gut oder schlecht finden. Man muss auch nicht über Dasselbe lachen. Wichtig ist nur, niemals auf andere Länder und Menschen herabzublicken.
    Denn schließlich – ich halte es mit deinem wunderbaren Schlusswort – sind wir alle eins: Europäerinnen und Europäer! 🙂 👍

    • Antworten
      Bettina Schmale
      20. August 2019 at 23:53

      Toller Artikel, gefällt mir sehr wie Du schreibst. Interessante Neuigkeiten erfahre ich, wie Z.B. dass die Dänen ab der 5. Klasse Deutsch lernen. Und dass die Dänen einen sarkastischen Humor haben, das habe ich in vielen Jahren Urlaub machen, schätzen gelernt. Jetzt weiss ich endlich, warum mein Mann sich in DK so wohl fühlt. 😉🤣🇩🇰❤🇩🇰

      • Antworten
        Meermond
        22. August 2019 at 20:42

        Danke dir! Ich hoffe doch, dass nicht nur dein Mann sich hier wohl fühlt?

    • Antworten
      Meermond
      22. August 2019 at 20:41

      Und genau hier war das Komische: Ich kannte diese Frauen nicht und darum nahm ich ihren Satz ja wörtlich. Ein simples Nein hätte ich eher begriffen. Aber warum dann die anderen Frauen alle so gelacht haben, das setzte der Situation die Krone auf. Sehr seltsam.
      Der berühmte englische Humor scheidet hier stellenweise die Geister. Ich liebte „Little Britain“, konnte aber „Yes, Minister“ nicht einmal schmunzeln, während andere die total super finden…Tja.
      Wie du schon sagtest, hängt Humor von vielen Dingen ab. 🙂

      • Antworten
        Anhora
        24. August 2019 at 10:33

        Der dänische Humor scheint doch anders zu sein. Einer fremden Person würde man hier auch im Spaß nicht den Kugelschreiber verweigern. Meine Vermutung ist: Die Dänin wunderte sich eher darüber, dass du überhaupt fragst und hat deshalb aus Spaß Nein gesagt. Natürlich wollte sie dir den Stift nicht wirklich verweigern.
        Zum britischen Humor: ES gibt eine uralte, sehr gute Serie mit Rowan Atkinson: Blackadder. Da hat „Mr Bean“ noch gesprochen. In keiner anderen Serie sieht man so deutlich, wie in England das Klassensystem funktioniert, und wie man sich gleichzeitig darüber lustig machen kann. Ich liebe diese Serie. Aber das ist halt TV. Wenn mein Partner manchmal die selben Sprüche zu mir sagt, könnte ich ihn vor Wut verprügeln. 😉

        • Antworten
          Meermond
          27. August 2019 at 7:49

          Ich habe mir auf deine Anregung hin Blackadder angesehen. Der Humor darin ist tatsächlich so, wie ich ihn erwartet habe. Allerdings musste ich wieder feststellen, dass ich britische Filme wesentlich schlechter verstehe als amerikanische! Ohne Untertitel geht da gar nix!
          Ich bin inzwischen ein Meister in Original Barnaby mit dänischen Untertiteln geworden. Aber Blackadder bräuchte ich mit deutschen Untertiteln…. Puh!

          • Anhora
            27. August 2019 at 10:15

            Ich hab die Blackadder-Folgen mehrmals gesehen und bis heute versteh ich (ohne Untertitel) nicht alles. Es wird eben auch in einer gestelzten, altertümlichen Sprache gesprochen, die man wiederum nur schwer übersetzen kann.
            Aber auch ohne jedes Wort zu verstehen, ist es einfach zum Niederknien, wie der hohlköpfige Prinz nur aufgrund seines Status vom hochintelligenten Blackadder hofiert und eingeschleimt wird, während dessen Diener Baldrick den daraus entstandenen Frust abkriegt und mit dieser Rolle auch einverstanden ist. Dieses Gebaren finde ich heute noch bei manchen Engländern, ohne dass es ihnen bewusst ist vielleicht.
            Der Prinz hat mich ja immer ein bisschen an Tony Blair erinnert, ohne allerdings viel über Blair zu wissen. Nur dass er mir nicht sympathisch ist.
            Barnaby ist auf jeden Fall leichtere Kost, aber auch da muss man ohne Untertitel verflixt aufpassen, um bei all den Toten noch die Übersicht zu behalten. 😉

  • Antworten
    Tommy
    20. August 2019 at 18:45

    Genial, ist wirklich so, wie du geschrieben hast. Mich regt es innerlich auch auf, wenn ich die bis Oberkante voll gepackten Urlaubsmobile der Deutschen sehe. Wir wohnen zum Glück an der dänischen Grenze und können da reichlich oft dänische Delikatessen und Kultur geniessen. Hast echt toll geschrieben, danke 👍😎

    • Antworten
      Meermond
      22. August 2019 at 20:43

      Es freut mich, wenn ich dich mit meinem Beitrag begeistern konnte. Danke dir!

  • Antworten
    Rabenzahn
    20. August 2019 at 18:09

    Schön übrigens, wieder von Dir zu lesen!

    • Antworten
      Meermond
      22. August 2019 at 20:44

      <3 Es geht noch etwas beschwerlich hier, aber immerhin...Danke schön! <3

  • Antworten
    Rabenzahn
    20. August 2019 at 18:07

    Vielleicht ist der dänische Humor dem Norddeutschen nicht so fremd wie dem Süddeutschen. Meinen Humor versteht hier auch kaum einer (… aber „moin“ zur Begrüßung …).
    Ich kenne den Deutschen bemüht um seine Prozesse und der sich damit oft das Leben unnötig schwer macht. Die Ordnung ist wichtig, aber ob sie an der Stelle so richtig ist?

    • Antworten
      Meermond
      22. August 2019 at 20:47

      Moin auf’d Nacht, Moin in der Früh – das soll einer verstehen? Für mich ist das auch sehr befremdlich, klingt das in meinem bairischen (und bayerischen) Ohr ja eher wie „Morgen“ und der ist überhaupt nicht auf’d Nacht 😁
      Wer versteht schon die Deutschen, wenn wir selbst es nicht einmal tun …
      Liebe Grüße

  • Antworten
    Silke
    20. August 2019 at 17:06

    Schön geschrieben. Der Humor hier in Norddeutschland in den Dänen aber doch gleicher, Das mit dem Kugelschreiber könnte auch hier gewesen sein.
    Zum Autofahren, das ist hier inzwischen sehr aggressiv geworden. Auf den Landstraßen wird erst überholt, wenn von vorne was kommt. Das erlebe ich immmer öfters und in den Städten gilt, ich komme als erstes und das ohne Rücksicht. Blinker wird nicht benötigt, ich weiß ja wo ich hin will. Reißverschlussverfahren und Rettungsgasse gibt es für einige überhaupt nicht, geschweige denn Tempolimit.
    Eine Bekannte von meinen Eltern (Dänin), hatte mal gesagt, als ich noch ein kleines Mädchen war und man in Vejle noch durch die Stadt gefahren ist, richtigen Stau gibt es Dänemark nur, wenn die Deutschen Urlaub hier machen.
    Verpflegung mit in den Urlaub / Ferienhaus zu nehmen, gilt für uns nur für die ersten 1 / 2 Tage (außer Grundnahrungsmittel wie Mehl, Butter, Kaffee und das was zu Hause in der Zeit schlecht werden würde.)

    So nun werde ich mir Gedanken machen, was Samstag alles mit muss 🙂
    Liebe Grüße
    Silke

    • Antworten
      Meermond
      22. August 2019 at 20:49

      Na dann wirst du hier erstmal keinen Stau erleben, denn die meisten Urlauber sind wieder abgereist. Und so langsam kann man auch wieder in die beliebtesten Küstenorte rein…
      Habt einen wunderschönen Urlaub, erhol dich gut! <3

  • Antworten
    Stella, oh, Stella
    20. August 2019 at 16:04

    Dieses scherzhafte Pingpong ist sehr typisch für die Dänen. Eigentlich ja auch schön, aber es gibt ja auch Momente, in denen man ausnahmsweise einmal eine ernsthafte Unterhaltung führen möchte. Ich finde, dass der dänische Humor sehr dem englischen gleicht: Wortspiele (+), andauernd was sexuelles in alles hineindenken (und aussprechen) (-) und manchmal sehr schwarz (+). Das mit dem Kugelschreiber hätte mir auch passieren können, obwohl ich nun schon 26 Jahre hier wohne. Genau diese Art Humor finde ich weniger einfallsreich.

    Das mit dem nicht lange arbeiten und keine Überstunden würde sich auf Seeland und speziell Kopenhagen nicht machen lassen. Da arbeiten sie noch in der U-Bahn auf dem Computer und führen Geschäftstelefonate. Das finde ich dann schon übertrieben, sogar als arbeitsame Deutsche. 😉 😀 Aber in den Augen der Kopenhagener sind die Jütlander ja sowieso alles Bauerntölpel, die nur in Holzschuhen rumlaufen. Bei den Jütländer besteht das Bild des arroganten Kopenhageners, der meint, was besseres zu sein.

    „Ordnung muss sein“ höre ich auch immer von Dänen als Beschreibung Deutscher und dass wir autoritätshörig seien. Aber Letzteres können die Dänen genauso gut. Um ins Fernsehen zu kommen unterwerfen sie sich allen möglichen Vorschriften und zu berühmten Personen, besonders vom Ausland, wird aufgesehen und gehechelt. Es ist etwas kompliziert, finde ich. Auf der einen Seite verbittet man sich, dass andere einem Vorschriften machen, und das kann durchaus eine freundliche Bitte beinhalten, doch vielleicht die Musik etwas leiser zu drehen (auf sowas wird oft ganz empfindlich reagiert, weil man das als Eingriff in die Privatsphäre ansieht, aber dass ihre laute Musik meine Privatsphäre verpestet zählt nicht); auf der anderen Seite gibt es ganz viele ungeschriebene „Gesetze“ was MAN tut und nicht tut. Das ist in meinen Augen ein ziemlicher Widerspruch. Und dann gibt es ja noch das ganz typisch dänische „jantelov“ (alle sind gleich Gesetz). Keiner soll glauben, er/sie wäre was Besonderes. Das führt dazu, dass dänische Künstler sich oft erst im Ausland einen Namen machen müssen, um in Dänemark richtig anerkannt zu werden. Ein vielschichtiges kleines Völkchen die Dänen. Es gibt übrigens auch den Ausdruck „kartoffel tysker“, weil in früheren Zeiten Deutsche in den dänischen Kartoffelfeldern gearbeitet haben. Jetzt glaubt man, dass der Ausdruck daher kommt, weil die Deutschen so viele Kartoffeln essen … genau wie die Dänen übrigens … 😀 😀

    • Antworten
      Meermond
      22. August 2019 at 20:51

      Meine Liebe, deine Anmerkungen sind eine super Ergänzung meiner Gedanken! Danke dir für weitere Einblicke in die Kartoffeldansker 😉 Denn das sind sie nämlich sehr wohl!

  • Antworten
    Alexander
    20. August 2019 at 14:12

    Ein Kollege von mir beschrieb es folgendermaßen: Deutsche sind Touristen, die mit ihrem Mercedes nach Dänemark kommen, um Urlaub in einem Ferienhaus zu machen und mit Gummistiefeln und gelbem Ostfriesennerz am Strand spazieren zu gehen.
    Ich glaube, mehr Klischees kann man in einer Aussage fast nicht unterbringen. 😉

  • Antworten
    Myriade
    20. August 2019 at 13:57

    Das mit dem Kugelschreiber verstehe ich aber schon, ich finde es auch seltsam, wenn jemand die Antwort „nein“ in diesem Fall ernst nimmt 🙂

    • Antworten
      Meermond
      22. August 2019 at 20:54

      Ein einfaches Nein hätte ich verstanden. Wir waren einem Workshop zugeteilt worden, kannten uns nicht und dann sagt die so einen ganzen Satz. Kein Grinsen, Nix. Und dass die anderen Frauen schallend loslachten, das war so verwirrend…

      • Antworten
        Myriade
        22. August 2019 at 21:29

        Staubtrockener Humor halt 🙂 😉

  • Antworten
    Franzi
    20. August 2019 at 13:04

    … da haben die Schweden also eine seeehr ähnliche Sicht auf uns Deutsche 😀 Und obwohl Dänen und Schweden wiederum viel gemein haben, gibt es auch hier ein paar kulturelle Reibungspunkte. Ich würde sagen, der Schwede sieht den Dänen wie einen Schwager mit komischem Dialekt und eigensinnigem Humor.
    Sowieso: in der Frage darüber, was lustig ist und was nicht, kann man man ja schon innerhalb der eigenen Kultur geteilter Meinung sein. Tatsächlich ist das bis heute noch eines der spannendsten Lerngebiete für mich, denn ich denke, dass das was uns zum Lachen bringt, doch schon recht viel über uns als Menschen aussagt 😉

    • Antworten
      Meermond
      22. August 2019 at 20:57

      Stimmt, im Vergleich zu Dänisch klingt Schwedisch knatternd! Den schwedischen Humor kenne ich nicht, aber wenn die den der Dänen ebenfalls merkwürdig finden, ist er definitiv besser 🙂
      Übrigens sollten wir uns alle etwas mehr durch die Welt lächeln. 👋Liebe Grüße

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